Nach einem Jahrzehnt in L&D können wir eine grundlegende Frage immer noch nicht beantworten: Wie überzeugt man jemanden, der lieber Farbe beim Trocknen zusieht, als etwas Neues zu lernen?
Das ist unser Schritt null. Unser Lernfortschritts-Paradox.
Und Spoiler-Alarm: Wir haben keinen blassen Schimmer, wie wir es lösen sollen.

Klar, wir sind richtig gut darin, uns gegenseitig für die Zukunft des Lernens auf die Schulter zu klopfen. KI-gestützte Personalisierung. Adaptive Lernpfade. Maßgeschneiderte Learning Journeys. Bald liefern wir jedem genau zum richtigen Zeitpunkt die perfekten Trainingsinhalte.
Es gibt nur ein winziges Problem, das wir gekonnt ignorieren: Nichts davon spielt eine Rolle, wenn die Menschen gar nicht erst lernen wollen.
Hier die unbequeme Wahrheit: Während wir damit beschäftigt sind, ausgeklügelte Lernplattformen zu bauen und über die Vorzüge von Microlearning gegenüber immersiven Erlebnissen zu debattieren, schaffen wir es immer noch nicht, jemanden mit einem Fixed Mindset dazu zu bringen, dass ihm Lernen nicht völlig egal ist.
Und glauben Sie mir, ich habe nach Belegen gesucht, dass wir es können.
Sicher, Carol Dwecks Forschung zum Growth Mindset ist großartig ... für Kinder. Und ja, es gibt jede Menge Studien zu „Mindset-Interventionen“ am Arbeitsplatz. Aber lesen Sie das Kleingedruckte: kurzfristige Effekte, ausgewählte Teilnehmende und mehr Sternchen („that is not even a woooord“, frei nach Monica..:)) ) als in jeder Arzneimittelwerbung.
Sie suchen Belege dafür, dass wir ein hartnäckig festgefahrenes Mindset bei Erwachsenen zuverlässig verändern können? Viel Glück bei der Suche nach diesem Einhorn.
Wir sind wie Tech-Konzerne, die immer schickere Smartphones auf den Markt bringen, während sich ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung noch weigert, sein altes Nokia einzuschalten. Nur dass Nokia-Nutzer wenigstens anerkennen, dass Telefone einen Wert haben.
Nach fast einem Jahrzehnt ausschließlich in diesem Feld habe ich zugesehen, wie wir alles ausprobiert haben:
Gamification (denn Erwachsene sind offenbar einfach nur große Kinder)
Incentives (Profis fürs Lernen bestechen - was soll da schon schiefgehen?)
Social Learning (Gruppenzwang, aber in professionell)
Storytelling (Es war einmal ... und keinen hat's interessiert)
Und trotzdem bleibt dieser Kernwiderstand unverändert. Vielleicht ist es an der Zeit zuzugeben, dass wir bei Schritt null feststecken.
Deshalb meine Frage an alle L&D-Kolleginnen und -Kollegen: Machen wir uns etwas vor? Sollten wir uns, während wir um die Wette perfekt personalisierte Lernerlebnisse bauen, nicht lieber auf diese grundlegende Hürde konzentrieren? Oder sollten wir akzeptieren, dass manche Köpfe so veränderbar sind wie ein Betonklotz, und aufhören, Ressourcen damit zu verschwenden, daran herumzumeißeln?
Ich habe keine Antwort. Aber ich weiß, dass das Problem nicht verschwindet, nur weil wir so tun, als gäbe es es nicht.
Egal wie perfekt wir Inhalte personalisieren, es bringt nichts, solange wir Schritt null nicht lösen.
Was meinen Sie? Hat jemand diesen Code geknackt? Oder vermeiden wir alle nur den Blickkontakt mit dem Elefanten im Raum?