Selbst wenn Sie im allerkuscheligsten Team der Welt arbeiten, in dem sich alle lieb haben, wissen Sie genau, welche Spielchen im Büro parallel zur eigentlichen Arbeit laufen. Vermutlich ist nur der psychisch gesunde Solo-Selbstständige noch nie mit einem Kollegen aneinandergeraten. Dass es zwischen Menschen, die zusammenarbeiten, Konflikte gibt, ist völlig natürlich und gesund. Und dafür muss sich niemand schämen.

Wenn diese Konflikte auf Ihre Arbeit, Ihr Wohlbefinden und Ihre Leistung durchschlagen, ist das nicht mehr okay. Dann muss etwas passieren.

In meinem letzten Artikel habe ich ein spieltheoretisches Programm vorgestellt (Tit for Tat), das sich in wiederholten Situationen vom Typ Gefangenendilemma als ausgesprochen erfolgreich erwiesen hat. Mein Fazit lautete ungefähr so: Im Dschungelkampf am Arbeitsplatz ist es eine gute Grundstrategie, wenn ich

  1. zuerst immer kooperiere
  2. und danach immer so handle, wie sich mein Gegenüber in der Runde davor mir gegenüber „verhalten“ hat.

Diese Strategie setzte sich gegen 64 andere Programme als die erfolgreichste durch, und zwar dank folgender Eigenschaften:

  • freundlich (kooperiert zuerst immer)
  • nachsichtig (war bereit, wieder zu kooperieren, sobald der Partner von der Konkurrenzstrategie zur Kooperation zurückkehrte)
  • provozierbar (geht der Partner auf Konkurrenz, hält sie dagegen)
  • reaktionsfähig (die Antwort hängt von der vorherigen Reaktion des Partners ab)
  • durchschaubar (kurzes, einfaches Programm mit einfachen Regeln, konsequent angewendet)

Ich habe einiges an Feedback bekommen, nach dem Motto: Spieltheorie trifft Arbeitsplatz, nette Kombination, aber in der Realität sind Konflikte nie so „sauber“. Da gibt es zum Beispiel Hierarchien, menschliche Gefühle, Stimmungen. Oder die Tatsache, dass man oft gar nicht so leicht erkennt, was eigentlich gerade los ist.

Sie haben recht: Das reine Tit for Tat reicht nicht, wenn Sie wirklich gewinnen wollen.

Auch wenn ich es nach wie vor charmant finde, die Werkzeuge der Spieltheorie auf menschliche Beziehungen anzuwenden, habe ich diesmal ein klassisches psychologisches Instrumentarium mitgebracht: die Transaktionsanalyse. Ein alter Hut? Mich haben zwei Argumente trotzdem überzeugt:

  1. Vielleicht kennt sie nicht jede und jeder (nur wer sich grundsätzlich für Psychologie interessiert - also fast alle)
  2. Sie funktioniert (vermutlich das stärkere Argument)

 

Ziel: Kommunikation von Erwachsenem zu Erwachsenem        

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Die mit dem Namen Eric Berne verbundene psychotherapeutische Theorie hat einen großen Vorzug: Sie macht die Merkmale der Kommunikation zwischen zwei Menschen (der Transaktion) sehr leicht durchschaubar. Ungefähr so:

Wenn wir jemanden ansprechen, tun wir das immer aus einem bestimmten Ich-Zustand heraus. Diese Ich-Zustände bilden zusammen unsere Persönlichkeit: das Kind-Ich (rebellisch, frei, angepasst), das Erwachsenen-Ich und das Eltern-Ich (kritisch, fürsorglich). Mit der Art, wie wir den anderen ansprechen, provozieren wir zugleich, aus welchem Ich-Zustand er antwortet.

Wenn ich zum Beispiel mit quengeliger Stimme darum bitte, dass mir endlich mal jemand zeigt, wie man das Briefpapier in den Drucker legt - ich spreche also aus meinem Kind-Ich -, dann provoziere ich meine Kolleginnen und Kollegen dazu, aus ihrem fürsorglichen Eltern-Ich zu antworten. Mache ich das zum x-ten Mal, provoziere ich eher ihr kritisches Eltern-Ich und bekomme vermutlich eine belehrende Antwort, gewürzt mit einer Prise Ärger.

Antworte ich darauf wieder aus dem Kind-Ich und kommt wieder eine Antwort aus dem Eltern-Ich zurück, entsteht zwischen mir und meinem Kollegen eine Routine (parallele Transaktion). Sobald einer von beiden seine Rolle satthat, beginnt ein Hin und Her, in dem zum Beispiel das „kritische Eltern-Ich“ das Kind immer wieder grob zurechtweist, bis das Kind irgendwann nur noch trotzig und gereizt aus seinem Kind-Ich zurückschießt. Na bitte: Das ist ein lupenreines Psychospiel am Arbeitsplatz!

Am Arbeitsplatz sind wir weder Eltern noch Kinder, sondern Erwachsene. Auch dann, wenn Sie zur Generation Y gehören und in einem Team voller Gen X arbeiten! Deshalb kommen Sie aus solchen Spielen nur heraus, wenn Sie nicht aus dem Ich-Zustand antworten, auf den gezielt wurde, sondern aus dem Erwachsenen-Ich (gekreuzte Transaktion): ruhig und rational.

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Wie gelingt das?

Zuerst einmal geht es nicht darum, dass mein Verhalten möglichst erwachsen wirkt. Solange ich nicht für einen Oscar nominiert bin, wird das kaum klappen. Wichtiger ist, dass ich wirklich in mein Erwachsenen-Ich komme, zum Beispiel mit diesen drei Schritten:

  1. Ich überlege ehrlich, was ich gut gemacht habe und wo ich Fehler gemacht habe.
  2. Ich rücke mein Selbstwertgefühl und meine Wertschätzung für mein Gegenüber zurecht, indem ich den Wert der Handlung vom Wert der Person trenne. Niemand ist weniger wert, nur weil er einen Fehler gemacht hat - weder Sie noch ich.
  3. Ich lege Ärger und Angst beiseite, indem ich mich bei dem, was der andere sagt, nur auf die Fakten und objektiven Umstände konzentriere, die das konkrete Problem betreffen.

Wenn die drei Schritte geklappt haben, können wir ganz entspannt auf genau die Frage antworten, um die es gerade geht, ohne auf alte Kränkungen zu reagieren.

Vorsicht: Am schlimmsten ist es, den Erwachsenen ohne diesen inneren Zustandswechsel nur zu spielen! Das kommt als pure Ironie an und hilft der Versöhnung kein bisschen.

Zum Schluss ein Geständnis: Ich glaube nicht wirklich an Instant-Tipps, die mal eben die Welt retten. Ich glaube an persönliche Wege und eigene Lösungen. Deshalb sind die Schritte oben keine Patentrezepte, aber sie können Bausteine für Ihre ganz eigene, bunte LEGO-Burg sein.

Wenn Sie neugierig sind, wie Coaching Sie bei so einem Bauprojekt unterstützen kann, melden Sie sich über unsere Website und vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch. Sie können uns auch auf Facebook oder Instagram folgen.

Bild:http://eletvaltok.com/category/utazas-lakoauto/franciaorszag/

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