Ich dachte, über Burnout gäbe es unzählige Artikel. Google liefert für das ungarische Wort für Burnout, „kiégés“, rund 106 000 Treffer, was überraschend wenig ist. Für „Depression“ gibt es zum Beispiel fast 2,5 Millionen ungarische Treffer. (Dafür schlägt Burnout den Begriff „Darüberstehen“ um Längen, der auf bescheidene 23 000 kommt.) Man muss über das Thema also nicht deshalb schreiben, weil andere schon so viel darüber geschrieben haben, sondern gerade weil es noch nicht totgeredet ist.
Schauen wir uns zunächst eine Definition an:
„Das Burnout-Syndrom ist ein Symptomkomplex: eine körperlich-emotional-mentale Erschöpfung, die infolge langfristiger erhöhter emotionaler Belastung und ungünstiger Stresseinwirkungen entsteht. Der Begriff geht auf Freudenberger (1974) zurück.“ (ungarische Wikipedia: https://hu.wikipedia.org/wiki/Ki%C3%A9g%C3%A9si_szindr%C3%B3ma)
In den Definitionen zum Thema tauchen immer wieder negativer Stress, emotionale Erschöpfung sowie nachlassende Motivation und Begeisterung auf. Vor allem helfende Berufe sind vom Burnout betroffen, inzwischen ist es aber in fast allen Bereichen ganz alltäglich, in denen erhöhte Aufmerksamkeit für Menschen gefragt ist, dort, wo man mit Herz und Seele arbeiten muss. Freudenberger unterscheidet in seinem ursprünglichen, 1980 erschienenen Buch (Burn Out: The High Cost of High Achievement. What it is and how to survive it /Burnout: der hohe Preis hoher Leistung. Was es ist und wie man es übersteht/) zehn Stadien. In den meisten Texten zum Thema begegnen uns jedoch nur die folgenden fünf:
- Begeisterung (unrealistische Ziele, Idealisierung des Berufs, enormer Schwung und Energieeinsatz);
- Realismus (die Begeisterung lässt nach, die Leistung pendelt sich auf einem realistischen Niveau ein);
- Stagnation (die Begeisterung nimmt weiter ab, die Arbeit ist keine Freude mehr, sondern Routine);
- Frustration (Anspannung, Reizbarkeit, Leistungsabfall);
- Apathie (Zusammenbruch, private Krise, Erschöpfung, innere Leere, emotionale Abstumpfung)

Wenn meine Söhne spielen, fangen sie immer begeistert an und hören dann meist auf eine von zwei Arten auf. Entweder wird es ihnen einfach langweilig und sie spielen etwas anderes, oder sie erleben einen Misserfolg, lassen das Spiel wütend liegen, werfen es vielleicht sogar in die Ecke und fangen etwas anderes an. Ihre anfängliche Begeisterung verlieren sie mit der Zeit immer. Manchmal geraten sie sogar in leichten Stress, wenn sie länger erfolglos nach einer Lösung suchen. Da sie jedes Spiel mit Herz und Seele, mit ihrem ganzen Wesen spielen, wären sie eigentlich stark burnoutgefährdet. Und trotzdem brennen sie nicht aus.
Und warum nicht?
Weil sie es nicht so weit kommen lassen!
Weil sie nicht gezwungen sind, mit demselben Spiel weiterzuspielen, das ihnen keine Freude mehr macht oder ihnen sogar Misserfolge beschert. Sie legen das Spiel nicht für immer weg, sondern nur so lange, bis sie wieder Lust darauf haben. Und dann gibt es noch die Zwischentöne: Das Spielzeug bleibt, aber sie bauen etwas anderes daraus, oder sie spielen mit demselben Spielzeug ein anderes Spiel.
Mir gegenüber sitzt eine hochrangige Führungskraft eines großen Lebensmittelkonzerns und sagt, ihr Thema sei Burnout. Ich bitte sie zu erzählen, was sie fühlt. Es stellt sich heraus, dass sie schon seit 14 Jahren im Unternehmen ist und bereits mehrere Führungspositionen innehatte. In der aktuellen findet sie keine Freude, keine echte Herausforderung mehr. Als Führungskraft fühlt sie sich nur sehr wenigen Arbeitsabläufen wirklich nah. Sie muss über alles Bescheid wissen, aber dank des gut funktionierenden Systems gibt es nur wenig Wissen, mit dem sie tatsächlich auch etwas anfangen muss. Sie ist nicht müde, sie hat nur überhaupt keine Lust mehr auf das, was sie tut.
In welchem Burnout-Stadium befindet sie sich wohl? Ist das wirklich Burnout, oder langweilt sie sich vielleicht einfach? Die Antworten kenne ich noch nicht, aber eines weiß ich bis jetzt sicher: Ich muss sie nicht an einen Psychologen verweisen. Stattdessen „erlaube“ ich einem erwachsenen Menschen das, was wir auch einem Kind erlauben: nämlich etwas leid zu werden, das man früher gern gemacht hat, nach vielen Jahren aber nicht mehr.
Gemeinsam sind wir darauf gekommen, dass es sich lohnt, sich möglichst gründlich umzusehen und durchzudenken, was man mit diesem Spielzeug noch spielen kann oder welches andere Spielzeug in der Nähe noch interessant ist.
Das Durchdenken begann damit, dass sie beschrieb, wie ein Spiel sein müsste, das sie gern spielen würde. Nicht „welches“ Spiel, sondern „wie“ es ist. Wichtig dabei: Sie zählte keine Arbeitstätigkeiten auf, sondern die Eigenschaften von Tätigkeiten, die sie anziehend findet. Von da an geht es darum, die Tätigkeiten zu suchen und zu erkennen, auf die diese Eigenschaften zutreffen.
Ich weiß nicht, in welche Richtung sich unser Prozess entwickeln wird, aber wenn ich die Möglichkeit sehe, werde ich sie darin unterstützen, ihre Situation neu zu rahmen. Erfolg, das Interessante, ihre Arbeit, ihre Position neu zu definieren. Erst danach soll sie sich ein neues Spiel oder einen neuen Arbeitsplatz suchen. (Siehe unseren früheren Beitrag.)
Nicht weil es schlecht wäre, den Arbeitsplatz oder sogar den Beruf zu wechseln, sondern damit sie lernt, einem Burnout vorzubeugen. Und, so wie sie es als Kind weise beherrschte, rechtzeitig zu einem unterhaltsameren Spiel wechselt.
Darüber hinaus ist wichtig zu wissen, dass die späten Stadien des Burnout-Syndroms nur mit angemessener Hilfe, unter Einbeziehung psychologischer Fachleute, behandelt werden können, und dass es in einigen besonders exponierten Berufen schon bei der Prävention sinnvoll ist, sich an Fachleute zu wenden. (Angeleitete Unterstützungsgruppen, Supervision usw.)
Vom ungarischen Psychologen und Mathematiker László Mérő weiß ich, dass das echte Spiel Selbstzweck ist und keine Funktion hat, so wie die Arbeit eine hat. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es bei der Burnout-Prävention eine Schlüsselrolle spielen kann, unsere alltäglichen, manchmal quälend monotonen Tätigkeiten in ein Spiel zu verwandeln, das uns Spaß macht. (Bei den helfenden Berufen ist das Bild allerdings differenzierter.)
Als ich diesen Artikel einem befreundeten Psychologen gezeigt habe, meinte er, ich schreibe über Flow. Darauf habe ich gesagt: Klar, und natürlich nicht! Ich zeige eher an einem Beispiel, wie wir, wenn wir den Flow verloren haben und uns gefangen fühlen, die Selbstkenntnis, die Kreativität und die kindliche Weisheit aufbringen, um unser Leben neu zu rahmen. Ja, unser Leben, nicht nur unsere Arbeit. Denn das Burnout-Syndrom bleibt nach Feierabend nicht im Büro, und es entsteht auch nicht dort.
to be continued...
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Auf dem Foto sind nicht meine Söhne zu sehen. Quelle: pixabay.com