Es ist schon fast ein Klischee, dass wir Jüngeren uns nach nichts so sehr sehnen wie nach Feedback. Wir und viele andere predigen es ständig: Fragen Sie Ihre Mitarbeitenden, wenn Sie etwas für sie tun wollen, bevor Sie den Kickertisch oder das tägliche Obst bestellen. Holen Sie ihre Meinung zum Büroumbau ein. Formulieren Sie die Werte Ihres Unternehmens gemeinsam mit ihnen, und ganz allgemein: Kommunizieren Sie so viel wie möglich mit ihnen. Inzwischen weiß auch jeder auswendig, dass man Mitarbeitenden einen Karrierepfad bieten muss. Einen, der zu ihren Fähigkeiten, Interessen und ihrer Motivation passt. Wenn Sie keinen Karrierepfad bieten können, dann wenigstens Entwicklungsmöglichkeiten. Vertrauen Sie Ihren Leuten, behandeln Sie sie wie Erwachsene.

Aber wenn das alle wissen, warum begegnet uns all diese Blogpost-Weisheit in der Praxis immer noch nicht? Weil der Teufel im Detail steckt. Eines dieser Details ist die Reduktion kognitiver Dissonanz (das Phänomen, bei dem unser Verstand die Informationen aus der Umwelt umstrukturiert und die Impulse von außen so ordnet, dass sie unsere Entscheidung stützen und rechtfertigen). Zum Beispiel: „Klar ist es gut, wenn die Führungskraft gemeinsam mit dem Mitarbeiter über Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen nachdenkt, aber mit dem Klaus geht das halt nicht.“ Wenn ich es im Blog lese, stimme ich noch voll zu und nehme es mir vielleicht sogar fest vor, aber bis ich am nächsten Tag im Büro ankomme, ist jeder ein Klaus.

Schatten

Im Kalender von Führungskräften fallen am häufigsten die One-on-One-Gespräche zum Opfer, wenn noch ein Termin in die Woche gequetscht werden muss. Diese Vier-Augen-Gespräche vertragen ja immer noch eine Woche Aufschub. Neben den praktischen Gründen gibt es dafür auch einen versteckten: Diese Gespräche sind (auch) für Führungskräfte nicht leicht. Das ist das zweite teuflische Detail.

Und wenn wir doch mal eins abhalten, dann packen wir es ordentlich voll mit Statusupdates und Verwaltungskram, damit für die Frage „Und wie geht's dir eigentlich?“ keine Zeit mehr bleibt. „So ist es für alle besser“, denken wir. Mehr als einmal habe ich erlebt, dass der Mitarbeiter vorab so viele Kernthemen vorbereitet, dass er dem verkrampften und unbeholfenen Versuch des Chefs zuvorkommt, so zu tun, als interessiere ihn seine Meinung wirklich.

Daran wird sich auch nichts ändern, solange es kein Vertrauen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter gibt. Und hier kommt ein verbreitetes Dogma ins Spiel, das dritte Detail: „Ich kann nicht ehrlich zu meinem Chef sein, sonst kriege ich Ärger“, und die Umkehrung: „Ich kann nicht ehrlich zu meinem Mitarbeiter sein, sonst kündigt er oder tanzt mir auf der Nase herum.“

Wenn Sie diese Dogmen nicht überprüfen, werden Sie keine gute Verbindung zu Ihren Leuten und Ihren Führungskräften aufbauen können.

Jetzt könnten Sie natürlich sagen, ich stifte Sie zu einer Kamikaze-Aktion an. Tue ich aber nicht.

Surfender Hund

Ehrlichkeit ist nicht dasselbe wie rohe Gedankenlosigkeit. Es ist ganz natürlich, dass Führungskraft und Mitarbeiter einander manchmal mit Bedacht und nicht ganz offen begegnen.

Aber wenn Sie hier stehen bleiben, dann bleiben Sie wirklich stehen!

Das Vertrauensniveau in einer Organisation ist nicht konstant, weil auch das Vertrauen zwischen einzelnen Menschen es nicht ist. Dynamisch, okay, aber es ist nicht egal, wie hoch der Durchschnitt ist und wie groß die Streuung. Es braucht Zeit, bis der Durchschnitt steigt und die Streuung sinkt. Und die Entwicklung verläuft auch nicht immer geradlinig.

Laut einer groß angelegten Umfrage aus dem Jahr 2015 erwarten 97 % der Beschäftigten von ihren Führungskräften, dass sie das Vertrauen stärken und den Grundstein für Offenheit im Unternehmen legen.

Deshalb, liebe Führungskraft, schreibe ich Ihnen statt der fünf oder zehn Tipps für die Sofortlösung nur so viel: Daran zu arbeiten lohnt sich wirklich!

Wenn Sie sich Zeit und Energie nehmen, um sich bewusster auf Ihre One-on-Ones vorzubereiten, werden Sie merken, dass das Thema wichtiger ist, als Sie bisher dachten, und es wird immer weniger Kläuse in Ihrem Unternehmen geben. Man kann klare Erwartungen danebenstellen, man kann festlegen, welche Konsequenzen es hat, wenn jemand das Vertrauen missbraucht, aber eines ist beim Vertrauen sicher: Solange Sie es nicht schenken, bekommen Sie es auch nicht einfach so.

Achten Sie darauf, in welchen Situationen Sie versuchen zu kontrollieren, die Arbeit selbst zu erledigen, an Stelle Ihrer Leute ins Meeting zu gehen, sich vor ehrlichem Feedback zu drücken oder genau dieses eine One-on-One abzusagen. Beim ersten Mal werden Sie Ihr Verhalten vielleicht noch nicht ändern können, aber wenn Sie diese Situationen erst einmal erkennen, liegt es nur an Ihnen, was Sie daraus machen!

Wir haben die Bedeutung von Vertrauen längst erkannt, deshalb bereiten wir auch ein Y2Y-Programm vor, in dem wir neben dem Einzelcoaching auch gemeinsam an wirkungsvollen One-on-Ones arbeiten können!

Details folgen bald. Bis dahin folgen Sie uns, falls Sie es noch nicht tun, sonst verpassen Sie etwas!

Bilder von:Gratisography; Pixabay

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