Weil Trainings und Führungskräfteentwicklung in immer mehr Unternehmen in Mode sind, gibt es bald keine Führungskraft im Konzern mehr, deren Regal nicht voller Auswertungen über sich selbst steht.

Wir haben ein 360-Grad-Feedback bekommen, in dem uns die anderen gesagt haben, wie wir bei der Arbeit sind. Was für eine Führungskraft, was für ein Teammitglied, was für ein Kollege.

Wir haben einen DISC bekommen, aus dem wir erfahren haben, was für Persönlichkeiten wir sind, wie blau, rot, grün oder gelb wir sind.

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Man hat unseren IQ und unseren EQ gemessen, wir haben gelernt, was unsere Stärken und was unsere Schwächen sind.

Der Haken ist nur: Ursprünglich hat man uns das alles nicht ausfüllen lassen, damit wir uns anschließend darunter verkriechen wie unter einer karierten Flanelldecke.

„Weißt du, ich bin grün.“ 

„Weißt du, ich bin konfliktscheu, war ich schon immer, deshalb lüge ich meinen Leuten, meinem Chef, meinen Kollegen ins Gesicht, könntest du ihm das Feedback geben? Dir liegt das doch so gut.“

„Weißt du, ich bin nicht empathisch, war ich nie, ich bin vierzig, daran werde ich nichts mehr ändern.“

„Weißt du, ich habe gelernt, mich selbst zu akzeptieren.“

Das hätten Sie mal lieber gelassen.

Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Das Problem sind nicht die Tests.

Das Problem ist, dass uns die Gesellschaft gleichzeitig ein Bild vermittelt, nach dem das Wichtigste ist, uns selbst zu akzeptieren und uns so zu lieben, wie wir sind. Und daraus entstehen dann - besonders bei jungen Führungskräften - jede Menge Missverständnisse.

Denn diese beiden Dinge passen so nicht zusammen. Dass Sie akzeptieren, dass Sie zum Beispiel ein lila-türkiser Typ sind und es Ihnen deshalb nie gelingen wird, nicht über andere hinwegzutrampeln - so etwas gibt es nicht. Den Test haben Sie nicht bekommen, um hineinzuschauen und festzustellen, dass Ihre Augen grün sind.

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Wenn Ihre Augen grün sind, akzeptieren Sie es. Wenn Ihre Persönlichkeit grün ist, akzeptieren Sie es nicht. Nicht einfach so, eins zu eins, nein. Und verstecken Sie sich auch nicht dahinter, dass etwas nicht klappt, weil Sie sich ja akzeptiert haben und nun mal grün sind. Also bitte. 

Sie bekommen die Tests nicht, um sich darunter zum Winterschlaf hinzulegen, sondern damit Sie Dinge an sich sehen, die Ihnen bisher nicht aufgefallen sind. Damit Ihnen bewusst wird, wie es jetzt gerade ist. Damit Ihnen bewusst wird, warum es Ihnen schwerer fallen wird, sich in bestimmten Dingen zu entwickeln als in anderen.

Ich habe im Business Coaching mit sehr vielen Einzelklienten gearbeitet, die diese Tests schon hinter sich hatten. Und ganz ehrlich: Mit ihnen geht es danach schwerer voran als mit jemandem, der als unbeschriebenes Blatt kommt. Denn der eine muss erst noch die Decke von sich ziehen, der andere steht einfach aus dem Bett auf und legt los. 

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Und nein, ich habe kein Problem mit professionellen Persönlichkeitstests (ich nutze sie zwar nicht, aber auch bei Y2Y gibt es Kolleginnen und Kollegen, die es tun, und ich schließe auch nicht aus, dass ich sie noch einsetzen werde, wenn ich es für nötig halte). Mit dem amateurhaften Einsatz professioneller Persönlichkeitstests, mit ihrem totalen Missverständnis und mit diesem Grad an Selbstakzeptanz bei Führungskräften dagegen umso mehr.

HÄNGEN SIE GERN AUF FACEBOOK RUM? WENN SIE GELB SIND, GANZ SICHER :)

 

Bilder: http://i1.allaboutvision.com, performangroup.hu und SIE KENNEN ES JA SCHON AUSWENDIG, ABER: SAROLTA BÁN.

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