Ein fiktiver Dialog aus dem Jahr 2025, aus dem Leben einer Führungskraft im Konzern und ihres Coaches. Jede Ähnlichkeit mit der Realität, blabla..:))

Coach: Na, was ist los?

Führungskraft: Ich hab's satt.

Coach: Was?

Führungskraft: Alles.

Coach: Heißt?

Führungskraft: Alles, was ich mache.

Coach: Was machst du denn?

Führungskraft: Ich lösche Brände.

Coach: Bist du Feuerwehrmann?

Führungskraft: Schlimmer.

Coach: Warum löschst du Brände?

Führungskraft: Weil... weil es brennt.

Coach: Und?

Führungskraft: Und man muss sie löschen.

Coach: Muss man?

Führungskraft: Na, ich muss, ja.

Coach: Du?

Führungskraft: Ich. Wenn nicht ich, dann keiner.

Coach: Woher weißt du das?

Führungskraft: Hmm.

Coach: Wie sieht der Tag eines Feuerwehrmanns aus?

Führungskraft: Morgens komme ich rein. Ich klappe den Laptop auf. Siebzig E-Mails grinsen mich an. Klar habe ich auf dem Weg schon reingeschaut. Und abends auch.

Coach: Siebzig.

Führungskraft: Mindestens.

Coach: Und?

Führungskraft: Ich lese sie.

Coach: Alle?

Führungskraft: Alle.

Coach: Warum?

Führungskraft: Weil... weil sie da sind.

Coach: Der Mount Everest ist auch da.

Führungskraft: Was?

Coach: Nichts.

Führungskraft: Ich beantworte sie.

Coach: Alle siebzig?

Führungskraft: Na ja... sagen wir sechzig. 

Coach: Wie lange dauert das?

Führungskraft: Bis mittags.

Coach: Vier Stunden.

Führungskraft: Ungefähr.

Coach: Wie viele davon sind E-Mails, die nur du schreiben kannst?

Führungskraft: Fünf.

Coach: Fünf?

Führungskraft: Vielleicht acht.

Coach: Vielleicht acht. Und die anderen zweiundfünfzig?

Führungskraft: Die anderen zweiundfünfzig... na ja, die... (Stille) ...die könnte jeder schreiben.

Coach: Aber du schreibst sie.

Führungskraft: Ja.

Coach: Warum?

Führungskraft: Weil sie mich fragen.

Coach: Und warum fragen sie dich?

Führungskraft: Weil... (lange Stille) ...weil ich einmal geantwortet habe.

Coach: Und was ist passiert?

Führungskraft: Sie haben gemerkt, dass ich antworte, wenn sie fragen.

Coach: Also jetzt?

Führungskraft: Jetzt... jetzt bin ich der, zu dem alle rennen. Und siebzig heulende Kinder warten auf mich. Jeden Tag.

Coach: Und nachmittags?

Führungskraft: Meetings. Dann wachen auch die im Ausland auf.

Coach: MeetingS?

Führungskraft: Vier. Fünf. Sechs. Kommt drauf an.

Coach: Worauf?

Führungskraft: Wie oft das Haus brennt.

Coach: Und du berufst sie ein?

Führungskraft: Nein.

Coach: Wer dann?

Führungskraft: Andere.

Coach: Und du gehst hin?

Führungskraft: Ja.

Coach: Zu allen?

Führungskraft: Zu allen.

Coach: Warum?

Führungskraft: Weil ich eingeladen werde.

Coach: Und wenn du zu einer Hochzeit eingeladen wirst, gehst du da auch hin?

Führungskraft: Da nicht. Ich hasse Tanzen.

Coach: Aber bei denen tanzt du.

Führungskraft: Ja. Weil... weil es die Führungskraft braucht.

Coach: Braucht es sie?

Führungskraft: Na ja... sollte es.

Coach: Wofür?

Führungskraft: Damit... damit sie die Dinge entscheidet.

Coach: Welche Dinge?

Führungskraft: Wer es macht. Oder welche Version wir machen. Oder ob...

Coach: Und entscheidet ihr es?

Führungskraft: Nein.

Coach: Was macht ihr dann?

Führungskraft: Wir berufen ein neues Meeting ein.

Coach: Wo ihr es dann entscheidet?

Führungskraft: Wo wir dann... wo wir dann ein neues Meeting einberufen.

Coach: Und das wievielte Meeting ist das?

Führungskraft: Das x-te.

Coach: Das wievielte?

Führungskraft: Keine Ahnung. Ich habe aufgehört zu zählen.

Coach: Wann habt ihr zuletzt in einem Meeting etwas entschieden?

Führungskraft: Im Juni?

Coach: Welcher Monat ist jetzt?

Führungskraft: Oktober.

Coach: Also?

Führungskraft: Also... seit drei Monaten haben wir in keinem einzigen Meeting irgendetwas entschieden.

Coach: Und was macht ihr stattdessen?

Führungskraft: Wir stimmen uns ab.

Coach: Worüber?

Führungskraft: Darüber... wer was macht. Und wann das nächste Meeting ist.

Coach: Und was machst du in diesem Meeting?

Führungskraft: Ich sitze da.

Coach: Du sitzt nur da?

Führungskraft: Nein. Nebenbei lese ich E-Mails.

Coach: Im Meeting?

Führungskraft: Ja.

Coach: Und?

Führungskraft: Und antworte auf Teams.

Coach: Du liest also in einem Meeting E-Mails, während du auf Teams antwortest, und dann beruft ihr ein neues Meeting ein, in dem ihr genau dasselbe macht?

Führungskraft: Ja.

Coach: Und wie fühlt sich das an?

Führungskraft: Ich hab's satt.

Coach: Damit haben wir angefangen.

Führungskraft: Ich weiß.

Coach: Was würde passieren, wenn du morgen früh den Laptop nicht aufklappst?

Führungskraft: Die würden mich umbringen.

Coach: Wirklich?

Führungskraft: Keine Ahnung, ich traue mich nicht, es auszuprobieren, das weißt du doch.

Coach: Und wenn du ein Meeting absagst?

Führungskraft: Dann sind sie beleidigt.

Coach: Und dann?

Führungskraft: Und dann... und dann nichts.

Coach: Nichts?

Führungskraft: Sie berufen ein neues ein.

Coach: In dem ihr nichts entscheidet.

Führungskraft: Genau.

Coach: Also, wenn du absagst, was ändert sich?

Führungskraft: Nichts.

Coach: Und wenn du hingehst?

Führungskraft: Dann auch nichts.

Coach: Also?

Führungskraft: Also... also ist es völlig egal.

Coach: Und trotzdem gehst du hin?

Führungskraft: Ja.

Coach: Warum?

Führungskraft: Weil... Weil das mein Job ist.

Coach: Das ist dein Job? In Meetings E-Mails lesen, während du auf Teams antwortest, und dann ein neues Meeting einberufen, in dem ihr nichts entscheidet?

Führungskraft: So klingt es, ja.

Coach: Was wäre denn dein Job?

Führungskraft: Dass... dass ich führe. Dass ich entscheide. Dass ich beschleunige. Dass ich entwickle. Dass ich Systeme baue, damit man keine Brände löschen muss.

Coach: Aber du.

Führungskraft: Ich lösche Brände.

Coach: Hmm.

Führungskraft: Ich mache also nicht das, wofür ich bezahlt werde.

Coach: Was würdest du tun, wenn du genau das tun würdest?

Führungskraft: Ich würde morgens die E-Mails nicht öffnen.

Coach: Und dann.

Führungskraft: Ich würde vier Meetings absagen.

Coach: Welche vier?

Führungskraft: Die, in denen wir nichts entscheiden.

Coach: Also welche?

Führungskraft: Also fast alle.

Coach: Und stattdessen?

Führungskraft: Stattdessen würde ich das eine einberufen, in dem wir wirklich entscheiden.

Coach: Und dann.

Führungskraft: Dann würde ich dieses idiotische Teams abschalten. Stundenlang.

Coach: Und was passiert dann?

Führungskraft: Dann... dann sehe ich nicht, wer schreibt.

Coach: Und?

Führungskraft: Und nichts. Wenn es wichtig ist, rufen sie sowieso an. Sie rufen ja sogar an, um zu sagen, dass sie auf Teams geschrieben haben.

Coach: Also, was passiert heute Nachmittag?

Führungskraft: Also... (seufzt) ...also schalte ich es ab.

Coach: Wann?

Führungskraft: Morgen.

Coach: Wann?

Führungskraft: (lacht) Jetzt lass mich doch in Ruhe. Jetzt.

Coach: Warum braucht es dafür so viele Fragen?

Führungskraft: Was? 

Coach: Warum muss man einen Feuerwehrmann, der das Löschen satthat, so lange löchern? 

Führungskraft: Weil...

Coach: (Stille)

Führungskraft: Weil ich nicht weiß, wer ich bin, wenn ich keine Brände lösche.

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