Coach: Na, was ist los?
Führungskraft: Ich hab's satt.
Coach: Was?
Führungskraft: Alles.
Coach: Heißt?
Führungskraft: Alles, was ich mache.
Coach: Was machst du denn?
Führungskraft: Ich lösche Brände.
Coach: Bist du Feuerwehrmann?
Führungskraft: Schlimmer.
Coach: Warum löschst du Brände?
Führungskraft: Weil... weil es brennt.
Coach: Und?
Führungskraft: Und man muss sie löschen.
Coach: Muss man?
Führungskraft: Na, ich muss, ja.
Coach: Du?
Führungskraft: Ich. Wenn nicht ich, dann keiner.
Coach: Woher weißt du das?
Führungskraft: Hmm.
Coach: Wie sieht der Tag eines Feuerwehrmanns aus?
Führungskraft: Morgens komme ich rein. Ich klappe den Laptop auf. Siebzig E-Mails grinsen mich an. Klar habe ich auf dem Weg schon reingeschaut. Und abends auch.
Coach: Siebzig.
Führungskraft: Mindestens.
Coach: Und?
Führungskraft: Ich lese sie.
Coach: Alle?
Führungskraft: Alle.
Coach: Warum?
Führungskraft: Weil... weil sie da sind.
Coach: Der Mount Everest ist auch da.
Führungskraft: Was?
Coach: Nichts.
Führungskraft: Ich beantworte sie.
Coach: Alle siebzig?
Führungskraft: Na ja... sagen wir sechzig.
Coach: Wie lange dauert das?
Führungskraft: Bis mittags.
Coach: Vier Stunden.
Führungskraft: Ungefähr.
Coach: Wie viele davon sind E-Mails, die nur du schreiben kannst?
Führungskraft: Fünf.
Coach: Fünf?
Führungskraft: Vielleicht acht.
Coach: Vielleicht acht. Und die anderen zweiundfünfzig?
Führungskraft: Die anderen zweiundfünfzig... na ja, die... (Stille) ...die könnte jeder schreiben.
Coach: Aber du schreibst sie.
Führungskraft: Ja.
Coach: Warum?
Führungskraft: Weil sie mich fragen.
Coach: Und warum fragen sie dich?
Führungskraft: Weil... (lange Stille) ...weil ich einmal geantwortet habe.
Coach: Und was ist passiert?
Führungskraft: Sie haben gemerkt, dass ich antworte, wenn sie fragen.
Coach: Also jetzt?
Führungskraft: Jetzt... jetzt bin ich der, zu dem alle rennen. Und siebzig heulende Kinder warten auf mich. Jeden Tag.
Coach: Und nachmittags?
Führungskraft: Meetings. Dann wachen auch die im Ausland auf.
Coach: MeetingS?
Führungskraft: Vier. Fünf. Sechs. Kommt drauf an.
Coach: Worauf?
Führungskraft: Wie oft das Haus brennt.
Coach: Und du berufst sie ein?
Führungskraft: Nein.
Coach: Wer dann?
Führungskraft: Andere.
Coach: Und du gehst hin?
Führungskraft: Ja.
Coach: Zu allen?
Führungskraft: Zu allen.
Coach: Warum?
Führungskraft: Weil ich eingeladen werde.
Coach: Und wenn du zu einer Hochzeit eingeladen wirst, gehst du da auch hin?
Führungskraft: Da nicht. Ich hasse Tanzen.
Coach: Aber bei denen tanzt du.
Führungskraft: Ja. Weil... weil es die Führungskraft braucht.
Coach: Braucht es sie?
Führungskraft: Na ja... sollte es.
Coach: Wofür?
Führungskraft: Damit... damit sie die Dinge entscheidet.
Coach: Welche Dinge?
Führungskraft: Wer es macht. Oder welche Version wir machen. Oder ob...
Coach: Und entscheidet ihr es?
Führungskraft: Nein.
Coach: Was macht ihr dann?
Führungskraft: Wir berufen ein neues Meeting ein.
Coach: Wo ihr es dann entscheidet?
Führungskraft: Wo wir dann... wo wir dann ein neues Meeting einberufen.
Coach: Und das wievielte Meeting ist das?
Führungskraft: Das x-te.
Coach: Das wievielte?
Führungskraft: Keine Ahnung. Ich habe aufgehört zu zählen.
Coach: Wann habt ihr zuletzt in einem Meeting etwas entschieden?
Führungskraft: Im Juni?
Coach: Welcher Monat ist jetzt?
Führungskraft: Oktober.
Coach: Also?
Führungskraft: Also... seit drei Monaten haben wir in keinem einzigen Meeting irgendetwas entschieden.
Coach: Und was macht ihr stattdessen?
Führungskraft: Wir stimmen uns ab.
Coach: Worüber?
Führungskraft: Darüber... wer was macht. Und wann das nächste Meeting ist.
Coach: Und was machst du in diesem Meeting?
Führungskraft: Ich sitze da.
Coach: Du sitzt nur da?
Führungskraft: Nein. Nebenbei lese ich E-Mails.
Coach: Im Meeting?
Führungskraft: Ja.
Coach: Und?
Führungskraft: Und antworte auf Teams.
Coach: Du liest also in einem Meeting E-Mails, während du auf Teams antwortest, und dann beruft ihr ein neues Meeting ein, in dem ihr genau dasselbe macht?
Führungskraft: Ja.
Coach: Und wie fühlt sich das an?
Führungskraft: Ich hab's satt.
Coach: Damit haben wir angefangen.
Führungskraft: Ich weiß.
Coach: Was würde passieren, wenn du morgen früh den Laptop nicht aufklappst?
Führungskraft: Die würden mich umbringen.
Coach: Wirklich?
Führungskraft: Keine Ahnung, ich traue mich nicht, es auszuprobieren, das weißt du doch.
Coach: Und wenn du ein Meeting absagst?
Führungskraft: Dann sind sie beleidigt.
Coach: Und dann?
Führungskraft: Und dann... und dann nichts.
Coach: Nichts?
Führungskraft: Sie berufen ein neues ein.
Coach: In dem ihr nichts entscheidet.
Führungskraft: Genau.
Coach: Also, wenn du absagst, was ändert sich?
Führungskraft: Nichts.
Coach: Und wenn du hingehst?
Führungskraft: Dann auch nichts.
Coach: Also?
Führungskraft: Also... also ist es völlig egal.
Coach: Und trotzdem gehst du hin?
Führungskraft: Ja.
Coach: Warum?
Führungskraft: Weil... Weil das mein Job ist.
Coach: Das ist dein Job? In Meetings E-Mails lesen, während du auf Teams antwortest, und dann ein neues Meeting einberufen, in dem ihr nichts entscheidet?
Führungskraft: So klingt es, ja.
Coach: Was wäre denn dein Job?
Führungskraft: Dass... dass ich führe. Dass ich entscheide. Dass ich beschleunige. Dass ich entwickle. Dass ich Systeme baue, damit man keine Brände löschen muss.
Coach: Aber du.
Führungskraft: Ich lösche Brände.
Coach: Hmm.
Führungskraft: Ich mache also nicht das, wofür ich bezahlt werde.
Coach: Was würdest du tun, wenn du genau das tun würdest?
Führungskraft: Ich würde morgens die E-Mails nicht öffnen.
Coach: Und dann.
Führungskraft: Ich würde vier Meetings absagen.
Coach: Welche vier?
Führungskraft: Die, in denen wir nichts entscheiden.
Coach: Also welche?
Führungskraft: Also fast alle.
Coach: Und stattdessen?
Führungskraft: Stattdessen würde ich das eine einberufen, in dem wir wirklich entscheiden.
Coach: Und dann.
Führungskraft: Dann würde ich dieses idiotische Teams abschalten. Stundenlang.
Coach: Und was passiert dann?
Führungskraft: Dann... dann sehe ich nicht, wer schreibt.
Coach: Und?
Führungskraft: Und nichts. Wenn es wichtig ist, rufen sie sowieso an. Sie rufen ja sogar an, um zu sagen, dass sie auf Teams geschrieben haben.
Coach: Also, was passiert heute Nachmittag?
Führungskraft: Also... (seufzt) ...also schalte ich es ab.
Coach: Wann?
Führungskraft: Morgen.
Coach: Wann?
Führungskraft: (lacht) Jetzt lass mich doch in Ruhe. Jetzt.
Coach: Warum braucht es dafür so viele Fragen?
Führungskraft: Was?
Coach: Warum muss man einen Feuerwehrmann, der das Löschen satthat, so lange löchern?
Führungskraft: Weil...
Coach: (Stille)
Führungskraft: Weil ich nicht weiß, wer ich bin, wenn ich keine Brände lösche.