Zumindest für uns, die sie mitansehen müssen.
Wir haben oft und lange darüber gesprochen, warum es wichtig ist zu begreifen, dass wir an unserer Sichtbarkeit arbeiten müssen, auch wenn es uns schon bei dem Wort kalt den Rücken runterläuft. Uns auch. Mir auch.
Aber Tatsache ist: Inzwischen gibt es um uns herum nicht nur viele gute, sondern auch viele schlechte Beispiele. Und so sehr ich auch Fan der positiven Psychologie bin, lassen Sie mich diesmal über ein negatives Beispiel schreiben. Vielleicht ertappen Sie sich beim nächsten Mal rechtzeitig und tappen nicht in dieselbe Falle.
Denn wir haben noch sechs Wochen Konferenzen vor uns. Muss man nicht, korrigieren Sie mich sofort. Doch, doch, muss man. Denn es nützt nichts, gut zu sein, wenn niemand von Ihnen weiß.
Stellen Sie sich vor, ich habe schon mit sieben István Vágó getroffen, die ungarische Quizmaster-Legende. In der Kindersendung „Cimbora“. Vor sechs Jahren habe ich den Papst aus drei Metern Entfernung gesehen. Letzte Woche war ich mit drei CEOs unter vier Augen. Ich war mit dem Chefberater von ichsagnichtwelchem Politiker beim Mittagessen.
Und trotzdem käme ich nie auf die Idee, das alles auf einer Bühne zu erzählen. Dabei sind das doch wahnsinnig spannende Infos, oder? Na ja, eben nicht. Für mich war manches davon spannend, für Sie wird es nichts davon sein. Und wenn es das nicht ist, dann mache ich mir die Mühe, Sie - wenn ich mich auf eine Bühne stelle oder setze - nicht mit etwas zu langweilen, das mir wichtig ist, nicht Ihnen.
Ob das Höflichkeit ist oder Sozialisation, weiß ich nicht. Aber dass das Gegenteil tierisch nervt, das weiß ich. Und natürlich bin ich von Haus aus kritisch - zu meiner Verteidigung: Ich lebe von dieser Fähigkeit -, Sie können also sagen, dass ich das Haar in der Suppe suche, und vielleicht haben Sie sogar recht. Aber wenn ich mitten in einem Vortrag sowohl mit wildfremden Menschen UND mit Bekannten Blicke tausche und wir alle mit Fremdscham dasitzen, dann bin vielleicht doch nicht ich die Geisterfahrerin. Und falls doch, verrate ich wenigstens nicht, wer neben mir saß.
Also, abgemacht: Sie hören damit auf. Wenn Sie eine Geschichte erzählen wollen, tun Sie es. Wenn Sie dabei erzählen wollen, wen Sie getroffen haben, mit wem Sie gearbeitet oder Karten gespielt haben, und das ist für die Geschichte wichtig, dann tun Sie auch das. Wenn Sie es nur erzählen wollen, um damit anzugeben, dann sagen Sie auch das. Ich finde es ja auch cool, mit wem Sie arbeiten, und es ist auch für mich wichtig, weil ich dann weiß, in welcher Sache ich mich an Sie wenden kann. Aber wenn die gesamte Botschaft Ihrer Geschichten darin besteht, wo und mit wem Sie sich treffen, dann ist das Selbstdarstellung in Reinform. Ich war jetzt sehr zurückhaltend.
Und es ist völlig egal, ob Sie das live tun, auf einer Bühne, oder auf LinkedIn, wo Sie, wenn er dort wäre, sogar den heiligen Josef in Ihren Posts markieren würden. Wobei, nicht einmal das stimmt: Auf der Bühne ist es noch schlimmer, schließlich möchte das Publikum etwas lernen. Und zwar mehr als die Tatsache, dass Sie in Windsor mit Philip Kaffee getrunken haben.

Denn das ist zu viel. Sogar für mich, und ich bin absolut extrovertiert und mag dank irgendeines seltsamen Gendefekts fast jeden, und mit dem Alter wird das auch kein bisschen besser. Und ich habe auch begriffen, dass gegen Sichtbarkeit nichts einzuwenden ist: So funktioniert unsere Welt, das sind die Spielregeln, und so müssen wir spielen.
Also los.
Ich habe übrigens schon einmal darüber geschrieben (und wissen Sie, wen ich vorher getroffen habe, der ebenfalls sechs Bücher darüber geschrieben hat? Na? Verrate ich nicht.). Wenn Sie immer noch daran zweifeln, wie wichtig Sichtbarkeit ist, überfliegen Sie den Text, und dann hören wir uns Ihre Argumente an.
Nur erzählen Sie dabei bitte nicht, mit wem Sie Tee getrunken haben.