Wer Führungskräftetrainings anfragt, glaubt oft an einen Irrtum: Wenn unser künftiger Steve Jobs alle Module durchläuft, die wir für ihn zusammenstellen, dann ist er irgendwann einfach fertig.

Dann ist er eine gute Führungskraft. 

Wir haben schlechte Nachrichten. Sie werden nie eine gute Führungskraft. Nicht endgültig, ganz sicher nicht. 

Führung ist nicht wie Fahrradfahren, das man entweder kann oder eben nicht.

Führung ist eine Beziehung, nicht mehr und nicht weniger.

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Genauso wenig, wie Sie nach Ihrer Hochzeit sagen können, dass Ihre Ehe jetzt garantiert gut ist. Ich gehe noch weiter: Selbst wenn nach dem großen Knall eine Paartherapie folgt, werden Sie danach nicht sagen, so, fertig, jetzt haben wir ganz sicher alles repariert, das ist jetzt eine gute Ehe. 

Wie Sie ein Team oder einen Mitarbeitenden führen können, ob angestellt oder Projektmitglied (siehe Führung nach Matrosenart :) ), hängt davon - und nur davon - ab, wie Ihre Beziehung zu diesem Menschen, zu diesem Team ist.

Und vermutlich erzähle ich Ihnen nichts sensationell Neues, wenn ich sage, dass Sie zum Team als solchem auch keine eigene Beziehung haben, schließlich existiert es gar nicht. Wie meine jüngere Tochter es gern formuliert: „Ich hab an einen Begriff gedacht, Mama, an so einen Gegenstand, den es nicht gibt.“ Das Team ist so ein Gegenstand, sprich: Auch Ihr Team können Sie nicht anders führen als über die Beziehung, die Sie zu jedem einzelnen seiner Mitglieder aufbauen.

Und wenn Sie 600 Leute haben (mein aufrichtiges Beileid), dann wird die Meinung von 527 davon über Sie - und über Ihre Arbeit als Führungskraft - davon bestimmt, wie Ihre Beziehung zu den 73 ist, mit denen Sie tatsächlich schon ein echtes Gespräch geführt haben.

Ergo?

Ergo: Sie werden keine gute Führungskraft.

Übrigens auch keine schlechte, diese gute Nachricht haben Sie sich sicher schon selbst zusammengereimt. Sie sind immer genau so eine gute Führungskraft, wie es Ihnen gelingt, mit möglichst unterschiedlichen Menschen eine Beziehung aufzubauen, in deren Rahmen Sie beide so arbeiten können, wie es für die andere Person, für Sie - und hoffentlich auch für Ihre Organisation - passt.

Und ja, vielleicht gibt es einen Menschentyp (nur damit es etwas zum Meckern gibt, denn was ist schon ein Menschentyp, so etwas gibt es doch gar nicht - und das stimmt sogar.), den Sie so sehr verabscheuen, dass Sie mit ihm einfach nichts anfangen können. Tja, da gibt es Entwicklungspotenzial, ja. Als bessere Führungskraft dürfen Sie sich bezeichnen, fühlen und wissen, je mehr solcher Menschen Sie mit der Zeit zu ertragen lernen. Als Führungskraft auch.

Den Drückeberger führen, der immer nur verspricht. Den Luftballon führen, außen ein seidig glänzender Einhorn-Ballon, innen so leer wie das Heft eines Erstklässlers am 2. September. Den Kollegen-in-den-Rücken-Faller führen, den Hinter-dem-Farn-Hervorspringer-ich-erledige-immer-alles, den Mit-nichts-Zufriedenen, den Es-ist-doch-alles-gut-so-lass-mich-in-Ruhe-Typen und all die anderen.

Aber dadurch werden Sie keine gute Führungskraft. 

Denn das ist kein Skill, den man sich einmal aneignet, und dann läuft es. Sondern einer, über den Sie lernen, lesen, dann an sich arbeiten, dann noch mehr an sich arbeiten, und manchmal wird es schlechter, manchmal besser. Erst lernen Sie zum Beispiel zu delegieren, was den meisten frischgebackenen Führungskräften schwerfällt, und wenn Ihre Leute dann zum fünfzigsten Mal etwas verbocken, fangen Sie wieder an, alles selbst zu machen.

Selbst ist der Chef, wenn er keine Leute hat.

Dann machen Sie alles, sogar noch mehr, brennen aus, kommen aus dem Burnout wieder auf die Beine und lernen erneut zu delegieren. Weil Sie inzwischen wissen, dass etwas leicht verbockt besser ist als gar nicht. Waren Sie zwischendurch eine gute Führungskraft? Ach was. Sie waren besser, schlechter, wieder besser. Dann werden Sie wieder schlechter. 

Aber eine „gute Führungskraft“, Leader statt Boss oder statt Manager, wie es diese unzähligen Bullshit-Grafiken zeigen, so eine werden Sie nie. 

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Es wird Menschen geben, für die Sie der beste Boss der Welt sind. Wenn Sie Ihre Sache gut machen, werden es immer mehr. Aber dafür müssen Sie jeden einzelnen Tag an der Beziehung arbeiten, die zwischen Ihnen besteht und die man Führung nennt. 

Und nein, Sie können sich noch so viel trainieren, jahrelang zu den besten Coaches und Führungskräfteentwicklern der Welt gehen, zu wem auch immer: Sie wissen trotzdem nie im Voraus, wann Ihnen wieder ein neuer Typ aus diesen 7,6 Milliarden begegnet, mit dem Sie nicht die geringste Ahnung haben, was Sie anfangen sollen. Für den Sie kein guter Chef sein werden. Nicht, weil er ein Drückeberger ist, ein Luftballon, ein Rückenfaller, ein ewig Unzufriedener, ein Status-quo-Fan. Sondern weil Sie sich auf ihn noch nicht verstehen.

Noch nicht. 

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Bilder: pinterest.com, eigene.

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Führung ist keine Rolle, sondern Verhalten. Programme von der ersten Führungsrolle bis zur Geschäftsleitung.

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