Warum beginnt jeder Vortrag über Generationen mit Bildern von Wäscheschleudern, Columbo und Elvis? Warum ist es für das Verständnis von Generationen wichtig zu wissen, wann der Sony Walkman auf den Markt kam, wann die Berliner Mauer fiel oder wann Jobs das iPhone vorstellte? Ganz klar: weil man ohne Kontext kaum einordnen kann, was in einer bestimmten Zeit als „normal“ galt - worauf auch Krisztián Steigerwald in seinen Büchern verweist.
Sind es wirklich diese Dinge, die uns prägen? Oder hat die Entwicklung noch eine tiefere Schicht?
Ich finde: jede Menge. Natürlich stelle ich die revolutionäre Bedeutung des ersten Fernsehers im Wohnzimmer, des Internets oder der KI nicht infrage. Ich möchte nur noch ein paar andere Dinge danebenlegen, vor allem, wenn wir über das „Normal“ der Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2010) sprechen.
Sie sind nicht nur längst auf dem Arbeitsmarkt angekommen, die Ersten feiern bald schon ihren Dreißigsten.
Krass, oder?

Generationenforschung ist die Wissenschaft, die untersucht, welche Fähigkeiten für eine Generation wirklich nützlich sind und welche die Zeit überholt hat, sodass sie immer überflüssiger werden - auch wenn die älteren Generationen darauf vorerst mit Befremden reagieren. Lehnen Sie sich zurück: Dorka oder ich schreiben ganz sicher auch die andere Hälfte des Artikels, nämlich welche Fähigkeiten für diese Generation an Wert gewonnen haben - jetzt aber schauen wir uns die Fähigkeiten an, die immer überflüssiger werden und am Arbeitsplatz für die größten Spannungen sorgen.
Ich will nicht allzu tief in die Biologie einsteigen, aber für unsere Entwicklung sind die ersten drei Lebensjahre entscheidend. In dieser Zeit entsteht neben dem Reptiliengehirn, das schon bei der Geburt arbeitet, das limbische System, das für die Emotionen zuständig ist. In dieser Zeit lernen wir, welche Schlüsse wir aus den beobachtbaren Phänomenen der Welt ziehen, anders gesagt: Es entsteht unsere Fähigkeit zur Assoziation. Hören wir eine Sirene, denken wir an einen Krankenwagen. Oder an die Feuerwehr. Oder an die Polizei.
Die Einflüsse, die uns in dieser Phase prägen, sind also entscheidend, auf ihnen bauen wir unser späteres Verhalten und unsere Entscheidungen auf. Schauen wir uns also an, welche Einflüsse auf einen späten GenZ-Vertreter wirken und welche Fähigkeiten er deshalb nicht für nützlich hält.
Warum können sie nicht warten? Warum sind sie nicht geduldiger?
Als ich angefangen habe, habe ich doch nicht gefragt, was ich davon habe und was ich dafür bekomme! Ich habe geschuftet wie ein Tier, irgendwann ist man auf mich aufmerksam geworden, aber ich habe nicht erwartet, dass mir die gebratenen Tauben in den Mund fliegen!
Als ich aufgewachsen bin (fragen Sie lieber nicht, wann das war), sagte Dr. Spock, dass man Kinder alle drei Stunden stillen soll. Da meine Mutter das Buch bis heute wörtlich zitiert, habe ich den Verdacht, dass ich, auch wenn ich nach zwei Stunden Hunger hatte, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht früher etwas bekam. Ich musste auf den Glockenschlag warten. Ich habe gelernt zu warten.
Mehr noch: Ich habe gelernt, dass etwas Wunderbares auf mich wartet, wenn ich nur lange genug warte. Essen.
In den 2010er-Jahren ist eine der vielen Erziehungsrichtungen das Stillen nach Bedarf. Ein Baby lernt dabei von klein auf, dass sich Warten nicht lohnt: Man muss sich sofort melden, wenn der Hunger kommt, und das Problem wird gelöst. Das bedeutet einerseits, dass wir von einem GenZ-Vertreter heute nicht mehr erwarten können, drei bis fünf Jahre auf seine Beförderung zu warten. Und andererseits natürlich, dass er kein Problem damit hat zu signalisieren, dass eines seiner Bedürfnisse am Arbeitsplatz nicht erfüllt wird - notfalls auch dadurch, dass er am nächsten Tag einfach nicht zur Arbeit kommt und Sie ghostet. Er hat gleichzeitig ein Muster für Ungeduld und für das Durchsetzen der eigenen Interessen mitbekommen. Ein allzu direkter Zusammenhang, der vielleicht nicht ganz so stimmt, wie ich ihn hier beschreibe? Möglich. Ist er als Beobachtung trotzdem zutreffend? Ist er.
Warum kann er sich keine halbe Minute lang konzentrieren? Warum zückt er ständig sein Handy?
Hätte ich mir damals so eine Respektlosigkeit erlaubt … und da habe ich mich noch höflich ausgedrückt …

Zahlreiche Studien untersuchen, wie stark seit dem Aufkommen der Touchscreens die Interaktion zwischen Eltern und Kindern zurückgegangen ist. Ich habe zwar Vorbehalte gegenüber der Methodik, aber derzeit heißt es, dass die Dauer des Blickkontakts zwischen Mutter bzw. Vater und Baby um 39 % gesunken ist (nach der Berührung die zweitwichtigste Form der Bindung für Babys).
Das ist eine brutale Zahl.
Als Mutter von drei Kindern bin ich die Letzte, die über irgendjemanden den Stab bricht, sei es wegen des Fütterns nach Bedarf oder weil eine Mutter oder ein Vater in dieser hektischen Welt beim Füttern aufs Handy schaut, eine Serie guckt oder eine E-Mail schreibt. Trotzdem müssen wir akzeptieren, dass auch das Folgen hat - das Kind erlebt, dass sich niemand (ausreichend) auf es konzentriert, dass es also nicht nötig und nicht nützlich ist, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Nützlich ist dagegen, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, so wie es die Eltern auch tun. Und dabei hilft, dass die Welt tatsächlich in unserer Gesäßtasche steckt.
Warum ist er mit 20 schon ausgebrannt? Wovon eigentlich?
Hätte ich damals angefangen zu jammern, damit hätte ich keinen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt …
Aus dem vorigen Punkt folgt, dass ein Kind heute schon in den ersten drei Lebensjahren einer unglaublichen Menge an Reizen ausgesetzt ist, viel mehr als noch vor 10 bis 20 Jahren. Es ist daran gewöhnt, dass ständig irgendein Gerät um es herum blinkt, vibriert, brummt, surrt, klingelt und piept, für das Kind ist das normal. Ich gehe noch weiter: Wenn ich früher auf dem Heimweg von der Schule im Trolleybus, in der Straßenbahn oder im Bus saß, habe ich nichts anderes gemacht, als vor mich hin zu starren.
Das war Achtsamkeit in Reinform.
Eine wunderbare Welt: Ich habe aufgetankt, mein Gehirn hat sich ausgeruht, ich habe abgeschaltet. Diesen Luxus hat ein junger Mensch heute nicht mehr. Im Online-Raum brodelt es nonstop, die Reize prasseln auf ihn ein, und er braucht das auch, es ist normal. Er ist bis zwei oder drei Uhr nachts wach und scrollt durch TikTok-Videos, weil es für ihn normal ist, dass sein Gehirn nie zur Ruhe kommt. Nur ist die Evolution nicht so schnell, das System hält dieses Tempo nicht aus, und wir brennen aus. Übrigens nicht nur die GenZ, sondern auch sehr viele aus anderen Generationen.
Warum gibt er so schnell auf? Warum kämpft er nicht für den Erfolg?
Als ich in die Firma kam, habe ich mich reingehängt wie verrückt und bin nicht bei jedem kleinen Hindernis verzweifelt!
Dann kam die „Helikopter-Elternschaft“: Eltern kämpfen die Kämpfe ihrer Kinder aus. Sie kennen das: Peterchen nimmt Paulchen im Sandkasten die Schaufel weg, woraufhin Paulchens Eltern auf Peterchens Eltern losgehen, und in der Hitze des Gefechts merken sie gar nicht, dass Peterchen und Paulchen längst zusammen rutschen und keiner von beiden mehr an die Schaufel denkt. Und in der Schule geht es genauso weiter, wenn wir die Lehrerin zur Rede stellen, warum es nur eine Eins minus ist, wo das Kind doch so klug ist. Und so weiter und so fort. Das Kind wiederum akzeptiert, dass es nicht kämpfen muss. Seine Eltern kämpfen seinetwegen, für es oder sogar an seiner Stelle.
Es lernt also das Muster, dass es nicht kämpfen muss, das erledigen andere. Es lernt nicht, sich zu konfrontieren, mit Konflikten und Emotionen umzugehen, es lernt nicht, Stress auszuhalten (schließlich lässt es ihn sofort raus, indem es ihn mit der ganzen Welt teilt). Nicht gerade hilfreich ist dabei das „Hotel Mama“ und die Tatsache, dass das Alter, in dem junge Menschen von zu Hause ausziehen, von Jahr zu Jahr steigt. In Ungarn liegt es heute bei 26 Jahren bei Frauen und 28 Jahren bei Männern. Man hat eine ganz andere Motivation, für irgendetwas zu kämpfen, wenn zu Hause eine geheizte Wohnung, ein voller Kühlschrank und ein vollgetanktes geliehenes Auto warten. Am Arbeitsplatz bedeutet das auch, dass deutlich kürzere Fristen und Zeiträume sowie kleiner gestückelte Ziele nötig sind, damit die Motivation erhalten bleibt.
Warum ist er respektlos? Warum interessiert er sich nicht für mich, warum passt er sich nicht an mich an?
Als ich anfing und sich eine Führungskraft mit mir beschäftigt hat, habe ich an ihren Lippen gehangen …
Unter den vielen Erziehungsansätzen des 21. Jahrhunderts setzt sich immer mehr die partnerschaftliche Erziehung durch. Die Eltern verkörpern dabei nicht mehr Autorität und Hierarchie, sondern bauen eine viel partnerschaftlichere Beziehung auf, auch die Kinder haben ein Mitspracherecht im Familienleben, und oft werden Entscheidungen gemeinsam getroffen. In Eltern-Kind-Beziehungen richtet man sich immer stärker nach den Bedürfnissen des Kindes, und genau das fließt auch in die Erwartungen ein. Das bedeutet auch, dass ein GenZ-Vertreter in Arbeitsbeziehungen nicht den Titel respektiert, sondern die Glaubwürdigkeit. Auch dort stellt er sich eher eine Zusammenarbeit mit seiner Führungskraft vor, die auf (Reverse) Mentoring beruht, denn dieses Muster hat er in vielen Fällen auch bei seinen Eltern gesehen, ebenso wie die Erfahrung, dass man ihm mit Lösungen entgegenkommt, die auf seine Person (ja, auf seine) zugeschnitten sind.
Natürlich gilt die Generationentheorie wie jede Verallgemeinerung nur für sehr große Stichproben, für kleinere Gruppen in Spuren und für Einzelpersonen so gut wie gar nicht - den „durchschnittlichen GenZ-Vertreter“ gibt es nicht. Unsere Generationszugehörigkeit prägt uns erst an dritter oder vierter Stelle, nach der DNA, der Persönlichkeit sowie dem Mikro- und Makroumfeld. (Wenn Sie unsere frühere Frage zum Thema Kultur vs. Generation gelesen haben, kennen Sie jetzt auch die Antwort: nein!) Die obigen Gedanken treffen auf keinen einzigen Vertreter der Generation Z eins zu eins so zu, aber als Trend ist diese Tendenz zu beobachten, und Unternehmen bauen bereits auf diesen Erkenntnissen auf.
Wir sollten uns nicht vormachen, dass dieselben Feststellungen nicht auch auf uns, die Nicht-GenZler, immer mehr zutreffen. Nur sind sie bei uns nicht im limbischen System verwurzelt, also nahezu unumstößlich, sondern wir formen dieselben Fähigkeiten später und viel bewusster. Die Welt wirkt genauso auf uns: Auch wir werden immer ungeduldiger, klicken immer schneller zum nächsten Artikel oder Video weiter, auch wir sind immer müder und ausgelaugter und tendieren zu Aufgaben, die sichereren Erfolg versprechen, während wir alles und jedes hinterfragen, was uns nicht glaubwürdig genug erscheint.
Nicht Sie! Auch nicht ich! Wir alle zusammen.
Und das ist weder schlecht noch gut. Aber anders.
Fortsetzung folgt!