Hier hat der Ball aufgesetzt. Also: Wir sind von der UNLEASH in Paris zurück und waren uns einig, dass eine der mit Abstand spannendsten Panel-Diskussionen zwischen zwei Rugbyspielern stattfand. Allen, die schon einmal eine bis zum Anschlag höfliche, nichtssagende Podiumsrunde durchgesessen haben, sage ich: Die Anerkennung gilt nur zum Teil der Tatsache, dass einer der beiden unverschämt gut aussieht und auch noch kluge Dinge gesagt hat. Ehrlich!
Der Titel: „Finding the limitless“, die Teilnehmenden: Jonny Wilkinson (UK) und Serge Betsen (FR), beide Anfang der 2000er-Jahre Kapitäne ihrer Rugby-Nationalmannschaften. (Während der Konferenz lief in Paris nämlich die Rugby-Weltmeisterschaft - wie jeder Rugbyfan, der etwas auf sich hält, weiß, genau wie wir. Natürlich. :) ) Die alten Rivalen erzählten, wie sie in ihrer Karriere als Spitzensportler mit Stress umgegangen sind, wie sie ihn bewältigt haben und was ihnen überhaupt Schwierigkeiten bereitet hat.
Sie erzählten in einem völlig anderen Stil und griffen ganz andere Dinge heraus. Vielleicht sieht man das übrigens auch an ihrem Rugbyspiel, und hätte ich in meinem Leben auch nur ein einziges Rugbyspiel gesehen, dann wüsste ich das sicher und würde es nicht nur vermuten - als Serge, der Franzose, plötzlich etwas laut aussprach.
Der französische Spieler sprach während seiner gesamten Karriere von den Freuden (joy), die er erlebt hatte, während der Engländer, der denselben Weg als Spitzensportler gegangen war (in jedem Detail unter anderen Umständen, aber doch auf demselben Weg), ständig von den Herausforderungen (challenge) erzählte, denen er begegnet war … Diese Beobachtung war so stark, dass im Saal sogar der Staub in der Luft stillstand, weil die Runde bei einem Kerngedanken angekommen war.
Zu Hause konnte ich nicht anders, als nachzuforschen, welcher kulturelle Hintergrund hinter dieser Haltung stecken könnte, und an wen hätte ich mich da wenden sollen, wenn nicht an Geert Hofstede. Suchen Sie im Netz danach: eine seit Jahrzehnten laufend aktualisierte Kulturforschung, die mehr als hundert Länder entlang von sechs Dimensionen miteinander vergleicht. Bevor Sie erschrecken: Ich habe nicht die geringste Absicht, jede einzelne Dimension durchzugehen, aber eine lohnt sich (die anderen natürlich auch, aber ich respektiere Ihre Kaffeepause). Diese Dimension, früher „Masculinity“ genannt, heißt heute „Motivation towards Achievement and Success“ und untersucht, vereinfacht gesagt, inwieweit die Menschen eines Landes arbeiten, um zu leben, oder leben, um zu arbeiten.

Serges Beobachtung trifft auch auf diese absolut repräsentative Stichprobe von zwei Personen :) zu, denn laut der wissenschaftlichen Forschung werden die Franzosen mit ihren 43 Punkten viel stärker von Lebensqualität motiviert. Gute Beispiele dafür sind die 35-Stunden-Woche oder fünf Wochen Grundurlaub, aber seien wir ehrlich: An welchen französischen Film wir auch denken, von Truffaut bis „Amélie“, unter den ersten drei Assoziationen tauchen garantiert Hedonismus und Lebensfreude auf. Klischee hin oder her.
Die Engländer sind natürlich viel kühler, und sie beschäftigen sich viel mehr mit den Folgen ihres Tuns (ob Erfolg oder Misserfolg) als damit, ob das Tun selbst ihnen Freude macht. Eine mindestens ebenso wissenschaftliche Untersuchung dazu: in einer beliebigen Folge von „Sie läuteten, Mylord?“ zählen, wie oft jemand sagt: „Was wird Seine Lordschaft dazu sagen?“ oder „Ich fürchte, dass …?“

Das eigentlich Spannende ist aber der Vergleich Ungarns mit den beiden anderen, denn über uns gibt es international viel weniger bekannte Stereotype. Bei uns ist die Lage mit 88 Punkten, gelinde gesagt, extrem. Das bedeutet, dass wir eine stark kompetitive Nation sind. Bei uns ist es das größte Privileg, aus der Masse herauszustechen (im Gegensatz etwa zu den skandinavischen Ländern, wo das geradezu eine Sünde ist). Wenn es Spannungen gibt, tragen wir sie miteinander aus, denn der Bessere soll gewinnen. Erfolg und das Erreichen unserer Ziele sind unsere wichtigste Motivation, und um das der Welt zu zeigen, umgeben wir uns mit Statussymbolen, kaufen teure und coole Autos, Kleidung, Häuser - und das ist uns auch wirklich wichtig. Wir arbeiten unglaublich hart und viel, um unsere Ergebnisse zu erreichen und zu zeigen. In dieser Dimension liegt in Europa nur ein einziges Land vor uns: die Slowakei.
Das ist also in unseren Genen einprogrammiert (natürlich ist mir klar, dass das nicht für alle, nicht immer und nicht in jeder Situation gilt), damit kochen wir. Und dann platzt in diesen Code eine andere Dimension hinein, die nicht Nationen voneinander trennt, sondern Generationen.
Die gefürchtete Generation Z! Faul (nein, ist sie nicht!), desinteressiert (nein, ist sie nicht!), unfähig, sich auf die eigenen Ziele (geschweige denn auf Ihre) zu konzentrieren (doch, kann sie, nur anders!): die Generation Z, die man unmöglich verstehen kann. Wie kann sie sich denn nicht für Karriere, Aufstieg und Unternehmenserfolg interessieren, wo wir hier doch genau so gepolt sind?
Wie werden aus ehrgeizigen Ungarn bequem gewordene junge Leute (nein, sind sie immer noch nicht!)?
Irrt sich Hofstede also?
Oder wie ist das dann?
Und wie soll das funktionieren?
Was meinen Sie?
Wenn Sie in Ihrer Arbeit mehr Freude erleben möchten, kommen Sie ins Einzelcoaching. Wenn Sie mit der Generation Z eine gemeinsame Sprache finden möchten, kommen Sie ins Teamcoaching. Und wenn Sie das Ganze, so wie es ist, nicht verstehen, dann bleiben Sie auf dem Blog, lesen Sie, lernen Sie und diskutieren Sie mit uns!