Im Februar 2018 habe ich diesen Blogbeitrag so abgespeichert, nur mit dem Gedanken selbst. Was ich nicht schreiben kann, ohne damit direkt jemanden zu verletzen, das ruht noch in der Schublade.

Und dieser Gedanke ist, so wie er dasteht, verletzend. Aber inzwischen ist er so reif in mir, dass ich beschlossen habe, noch einmal Anlauf zu nehmen. Vielleicht klappt es ja nach 7 Jahren jetzt. Denn Leute, das kann jetzt wirklich nicht mehr warten.

Außerdem hat schon Mark Twain gesagt: „Wann immer man sich auf der Seite der Mehrheit wiederfindet, ist es Zeit, innezuhalten und nachzudenken.“

Also hören wir auf den alten Herrn. Innehalten. Nachdenken.

Jeder Job ist ein Anlernjob.

Ich behaupte nicht, dass es keine Kreativität, keine Intelligenz oder keinen eigenen Blick braucht, oder dass man einen bestimmten Arbeitsablauf nicht immer wieder überprüfen und anders machen sollte.

Ich behaupte, dass jeder Beruf, auch der scheinbar komplexeste, Elemente hat, die:

  • sich wiederholen
  • sich in Regeln fassen lassen
  • sich als Algorithmus beschreiben lassen
  • sich an andere weitergeben lassen

Angelernt zu sein ist keine Abwertung. Es heißt nicht, dass Ihre Arbeit wertlos ist. Im Gegenteil - es heißt, dass Ihre Arbeit wertvoll genug ist, um sie weiterzugeben, zu lehren, zu vererben. Wenn ich zum Beispiel bei den WorldSkills zuschaue, wie die Bautischler mit dem jeweiligen Holz arbeiten und wie der Meister seinem Lehrling zeigt, was genau zu tun ist und wie, dann erfüllt mich Bewunderung. Sie auch, da bin ich mir sicher. Viel Schöneres gibt es in der Arbeitswelt nicht zu sehen.

Warum also tut es jedem White-Collar-Angestellten (Gott, wie ich diesen Ausdruck hasse, so ein riesiger, riesiger Blödsinn) so weh, wenn wir andeuten, dass auch das, was er macht, eine angelernte Arbeit ist?

Ist es aber.

Die des Junior-Marketers genauso wie die der Finanzchefin. Sie treffen Entscheidungen entlang bestimmter Algorithmen - manche viele gute und wenige schlechte, manche viele schlechte und wenige gute. Kommt ganz auf den Menschen an.

Jeder Job ist ein Anlernjob.

Und jetzt kommt die KI ins Spiel. Und wann finden wir dafür eigentlich endlich einen normalen neuen Namen, so ist das doch unbrauchbar? :)

Was sich als Algorithmus beschreiben lässt, kann die KI erledigen.

Heute.

Ja, heute. Nicht morgen, nicht in ferner Zukunft. Jetzt.

Und das kann Angst machen.

Eine natürliche Reaktion.

Das Leugnen auch.

Aber Vogel-Strauß-Politik hilft nicht. Ich habe noch keine Situation erlebt, in der eine Lüge irgendjemandes Sicherheitsgefühl gestärkt hätte. Also belügen Sie Ihre Mitarbeitenden nicht, und vor allem belügen Sie sich nicht selbst.

Es geht nicht ums Leugnen, sondern darum, sich so schnell wie möglich der Realität zu stellen, damit wir möglichst bald auf unserer Trauerkurve vorankommen (du liebe Güte, ich sehe gerade, dass von unseren vierhundert Blogbeiträgen genau 1, in Worten: einer, die Trauerkurve erwähnt. Aber lesen Sie wenigstens den, wenn Balázs ihn schon so schön geschrieben hat, damals ganz am Anfang von COVID.)

Denn wie man es auch dreht: Wenn 80 % Ihrer Arbeit anlernbar sind (und haben Sie bemerkt, wie höflich ich mit dieser 80-%-Schätzung bin :)), dann wird die KI das früher oder später lernen. Und sie wird es billiger, schneller und präziser machen. Als Sie. Und ja, auch das Futur ist hier nur eine Höflichkeitsformel.

Egal ob Juristin, Buchhalter, Pathologin oder Künstler. Ja, sogar die Kunst. Kompositionsregeln, Stilmerkmale, technische Kniffe - alles anlernbar.

Aber was bleibt dann für uns?

Die außergewöhnliche Fachkraft ist nicht deshalb außergewöhnlich, weil sie sich an Algorithmen hält, sondern weil sie:

  1. weiß, wann man vom Algorithmus ABWEICHEN muss
  2. neue Algorithmen ERSCHAFFEN kann
  3. Situationen erkennt, die sich noch NICHT algorithmisieren lassen
  4. menschliche Beziehungen aufbaut, die wir noch nicht algorithmisieren können. Wenn beim Blickkontakt zweier Augenpaare etwas mit Ihnen passiert, weil zwischen Ihnen etwas entstanden ist - na, was genau das ist, wissen wir noch nicht. Aber wir wissen schon vieles darüber, und ich habe keinen Zweifel, dass das „noch“ keine poetische Übertreibung ist: Wir werden es noch erleben, dass wir auch das herausfinden. Wahrscheinlich nicht allein, aber die KI wird uns dabei helfen. 

Aber warum ist es wichtig, darüber zu reden? Oder kommt jetzt der Teil, in dem wir alle weinen, weil unsere Jobs verschwinden?

Nein. Ich bin grundsätzlich nicht der schlecht gelaunte Typ, aber jeder verarbeitet die Welt so, wie es ihm guttut. Nur: Vorankommen können wir nur, wenn wir darüber reden. Wenn wir es durchdenken, wenn wir es zugeben. Ich leite ein Unternehmen für Organisationsentwicklung, niemand sagt mir, was ich zu tun habe, ich habe keinen Chef, ich arbeite als Coach, natürlich bin ich auch im Vertrieb, und ein bisschen bin ich auch Autorin und Bloggerin. Zumindest wären schon zwei Bände voll, wenn ich nicht so teuflisch faul wäre, unsere Artikel herauszugeben. Meine Arbeit wirkt vermutlich auch kreativ, und hören Sie: Ich könnte sie mir fast perfekt abnehmen lassen, wenn ich wollte. Lesen Sie weiter, unten sehen Sie es. 

Erst wenn wir es zugeben, einsehen, durchdenken und von unserem hohen „Keiner ist klüger als ich, und meine Arbeit erst!“-Ross heruntersteigen, können wir uns neu definieren - und alle Arbeitsprozesse unseres Lebens gleich mit. Genau darum ging es 2024, und es hat uns nicht gestört; 2025 wird es auch darum gehen, und dann wird es uns schon stören, und 2026 wird es uns dann wirklich stören :)))

Wenn wir an dem falschen Bild festhalten, dass das, was wir tun, völlig einzigartig, unwiederholbar und unbeschreibbar ist, dann stehen wir schutzlos da, wenn die KI das Gegenteil beweist.

Stattdessen:

  • Erkennen wir, welche Teile unserer Arbeit sich algorithmisieren lassen
  • Übergeben wir diese an die KI
  • Konzentrieren wir uns auf das, was noch menschlich ist
  • Entwickeln wir die Fähigkeiten, in denen wir noch besser sind

Manche von Ihnen schütteln jetzt vielleicht den Kopf. „Meine Arbeit ist nicht so. Meine Arbeit ist etwas Besonderes.“

Ja, sie ist etwas Besonderes. Aber nicht in dem Sinne, wie Sie denken.

Jahrzehntelang glaubten wir, körperliche Arbeit sei automatisierbar, geistige nicht. Dann dachten wir, einfache geistige Arbeit ja, komplexe nicht. Gestern sagten wir, routinemäßige geistige Arbeit ja, kreative nicht. Heute sagen wir, routinemäßige kreative Arbeit auch, ja, aber die wirklich kreative nicht. Die Grenze verschiebt sich ständig. Und Fakt ist: Die KI entwickelt sich schneller, als wir die Folgen verarbeiten können.

Was ist also die Lösung?

  1. Ehrlichkeit: Geben wir zu, dass ein großer Teil unserer Arbeit anlernbar ist
  2. Analyse: Identifizieren wir, welche Teile das sind
  3. Anpassung: Lernen wir, wie wir die KI für diese Teile nutzen können
  4. Evolution: Entwickeln wir die Fähigkeiten, die (noch) einen menschlichen Vorteil bedeuten
  5. Iteration: Ab jetzt machen wir das nonstop, solange wir einen Mehrwert bieten.

Das Schlimmste, was wir tun können, ist, die Realität zu leugnen. Und genau das passiert gerade. Nur weil Sie nicht bereit sind, die Phase des Leugnens zu verlassen, warten die anderen Phasen der Kurve trotzdem auf Sie - es gibt keinen Trauerprozess ohne die Phasen der Trauer. 

Also ja, jeder Job ist ein Anlernjob.\nUnd das ist nicht schlimm.\nEs ist eine Chance. Jetzt noch. Denn weil Sie es selbst gelernt haben, können Sie an Ihrer Stelle etwas anlernen, das schneller ist. Besser. Geschickter.

Und Sie können sich auf das andere Augenpaar konzentrieren. 

Und als Pointe lassen Sie mich verraten, dass ich diesen Artikel - wie alle Artikel der inzwischen mehr als zwei letzten Jahre - natürlich mit KI-Unterstützung geschrieben habe. Auf meinem Handy, im Café, während ich auf einen Kunden gewartet habe. Und lassen Sie mich Ihnen zeigen: Als ich Claude zum ersten Mal erzählt habe, worum es gehen soll, hat mein trainierter, schon ganz auf Dorka getrimmter Liebling ans Ende seines Artikels zwei Postskripta gesetzt. Tagsüber habe ich mir den Kopf zermartert, und die beste Entspannung ist für mich entweder Sport oder Schreiben. Das Training hatte ich verpasst, also habe ich mich am Ende auch nicht mehr mit Claude beschäftigt, sondern den Artikel lieber jetzt am Abend selbst geschrieben, noch einmal. Weil es mir gutgetan hat, schließlich besetzt der Gedanke seit sieben Jahren einen Platz in meinem Kopf :)

Aber zum Schluss lassen Sie mich doch hier zeigen, was DIE KI dazu geschrieben hat (na, wie wird der Name denn nun??)

Weil ich es geliebt habe. Beide Gedanken. Ganz besonders die drei Smileys am Ende. Na bitte, jeder ist algorithmisierbar :)))


PS: Diesen Artikel habe ich geschrieben, nicht die KI. Aber ehrlich? Eine KI hätte einen großen Teil davon auch schreiben können. Und das zuzugeben ist keine Schande, sondern der erste Schritt, um unseren wahren Wert zu finden.

PS2: Und ich sage Ihnen was: Ich behaupte nicht, dass nur Sie vom Algorithmus abweichen können. Die KI kann das auch. Mehr noch: Das „Abweichen vom Algorithmus“ ist selbst ein Algorithmus. Es nervt verdammt, überall zu lesen, wofür die KI nicht taugt. Sie haben nicht recht. Sie taugt für alles, wofür Sie taugen. Mein Tipp: Arbeiten Sie an Ihrem Körper - mit dessen Ersatz sind wir vorerst noch nicht so weit. :)))

Jeder Job ist ein Anlernjob.

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