Die schlechte Nachricht ist allerdings: Nur weil er nervt, ist er noch lange nicht falsch.
Wir geraten oft in Situationen, in denen Sie uns zu Hilfe holen, um etwas zu erheben, ein organisatorisches Problem zu diagnostizieren oder es gleich zu beheben. Egal, so oder so fangen wir mit der Diagnostik an. Die Sache ist aber die: In den Fällen, in denen Sie uns das Bild des Apfelbaums in allen Einzelheiten ausmalen, wissen wir - und oft irgendwo tief drinnen auch Sie - ganz genau, dass wir darunter einen Apfel finden werden.
Völlig egal, ob dieser Apfel ein schlecht strukturiertes mittleres Management ist, eine schlecht verdrahtete Verteilung von Verantwortung und Befugnissen, ein, zwei fehlende Fachleute in einem Bereich, eine fehlende Kompetenzentwicklung, ein Mangel an Lieferkapazität (nur damit ich auch ein Beispiel aus der Supply Chain bringen kann :) ) oder sonst etwas.
Wenn Sie als Auftraggeber die oberste Führungskraft der Organisation sind, können Sie zwei Dinge tun, bevor Sie irgendjemanden unter Ihren Apfelbaum auf die Jagd schicken.
1. Sie verbringen selbst mindestens ein Drittel der Zeit unter dem Apfelbaum auf der Suche nach der Frucht, die Sie von einem Berater erwarten würden. Wenn Sie sie in dieser Zeit gefunden haben, schauen Sie sich selbst an, was es ist.
2. Wenn Sie sie angeschaut haben und sehen, dass es ein Apfel ist, Sie also das Problem erkennen, dann machen Sie sich selbst an die Reparatur. Dafür müssen Sie aber sich selbst zutrauen, dass Sie Ihren eigenen Baum gut genug kennen, um auch seine Frucht zu erkennen.
Wenn Sie nicht sicher sind, dass es ein Apfel ist, können Sie wieder zwei Dinge tun:
a) Sie legen trotzdem los, im Glauben, dass es einer ist, und finden dann heraus, ob Sie recht hatten.
b) Sie holen einen Berater und lassen ihn nachsehen.
Im letzteren Fall wird Ihr Berater mindestens dreimal so viel Zeit unter Ihrem Baum verbringen wie Sie, denn egal wie viele Bäume er schon gesehen hat, er muss genau hinschauen, weil er nicht seit zehn Jahren darunter sitzt. Außerdem wächst nebenan ein Birnbaum und rechts eine Kastanie.
Und wenn er am Ende einen Apfel findet, dann schlagen Sie nicht den Kopf gegen die Wand (oder den des Beraters, falls er es zulässt!!:) ) nach dem Motto „Ich wusste doch auch, dass das ein Apfel ist!“, sondern folgen beim nächsten Mal Punkt 1 und trauen sich selbst zu, dass Sie den Apfel erkannt haben.
Denn es ist nun mal Ihr Baum.
Wenn Sie als Auftraggeber nicht die oberste Führungskraft der Organisation sind (was übrigens der häufigere und schlechtere Fall ist), dann klopfen Sie als Leitung des jeweiligen Bereichs bei uns an, weil Sie Hilfe brauchen: bei Organisationsentwicklungen meist (aber längst nicht immer) das HR, bei Prozessentwicklungen jemand aus dem Supply Chain Management. In solchen Fällen wird schon nach dem ersten tieferen Gespräch klar, dass die Hilfe dafür gebraucht wird, dem CEO gemeinsam zu beweisen, dass der gefundene Apfel ein Apfel ist.
Wenn Sie alles getan haben (die Punkte oben durchgegangen sind und auch das nicht funktioniert hat) und in Ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich keine sinnvolle Unterstützung für die Lösung des Problems organisieren können, dann wird auch daraus meist ein gut funktionierendes Beratungsprojekt. Mit einer Ausnahme, die Sie hoffentlich vermeiden werden, jetzt, wo Sie davon wissen: der sogenannten Apfelbaum-Falle.
Die Apfelbaum-Falle (Copyright, wunderbare Metapher, oder? Und garantiert kommt sie Ihnen bekannt vor:) ) geht so: Sie gehen zum CEO, bringen ihm die Frucht, der CEO wirft einen flüchtigen Blick mit einem Auge darauf und sagt, das ist ein Apfel. Aber Sie schaffen es nicht, ihn dazu zu bringen, auch mit dem anderen Auge ernsthaft hinzuschauen, schließlich tragen ihm alle jeden Tag einen ganzen Haufen Früchte herein. Budget für die Lösung dieses Problems haben Sie in Ihrem Zuständigkeitsbereich nicht, also jammern Sie so lange und basteln Business Cases für einen ganzen Haufen anderer Früchte, bis er zufällig einen davon genehmigt.
Dann kommt der Berater, also wir: Wir schauen uns Ihren Baum gründlich an, sagen Ihnen, dass das ein Apfel ist, und Sie gehen zurück zum CEO.
Der natürlich stinksauer auf Sie sein wird, schließlich hat er doch gesagt, dass das ein Apfel ist!!!! Und hat er recht? Klar. Er hat tatsächlich gesagt, dass es ein Apfel ist.
Denken Sie also schon mal darüber nach, wie Sie diese Falle geschickt umgehen, während Sie Ihren Apfel betrachten! :)