Unsere heutige Kombinatorik-Aufgabe: Wenn Sie vier Stunden mit einem 12-köpfigen Team arbeiten, wie viele Minuten entfallen davon auf eine einzelne Beziehung?

Soll ich helfen?

In einem 12-köpfigen Team gibt es 66 Beziehungen. In einem 4-stündigen Workshop gibt es außerdem eine 20-minütige Pause. Auf ein einzelnes Paar entfallen also 3,33 Minuten.

Und warum ist das schlimm? 

Ist es nicht.

Nur wenn Sie ein Team entwickeln wollen, behalten Sie neben dieser Zahl bitte im Kopf, dass sich ein Team nicht als Team entwickelt. Wie meine jüngere Tochter immer sagt (ich habe sie bestimmt schon zitiert): Ein Team ist ein Begriff. Ein Ding, das es gar nicht gibt.

Ein Team kann sich nicht entwickeln.  Die Qualität all der Beziehungen darin, die schon. Aber davon gibt es verdammt viele.

Wenn also selbst in einer recht kleinen Gruppe auf eine einzelne dieser Beziehungen so gut wie keine Zeit entfällt, wie sollen Sie dann Ihre Teams entwickeln? Nun, wenn Sie unseren Blog schon länger lesen - und laut Analytics stehen meine Chancen 9 zu 10, dass Sie das seit mindestens drei Jahren tun -, dann wissen Sie ohnehin, worauf ich hinauswill: Entweder Sie überlassen die Teamentwicklung der Führungskraft, oder Sie können es gleich bleiben lassen. 

Na ja, bleiben lassen müssen Sie es natürlich nicht. Es schadet nur nicht, vorher die obige Rechnung aufzumachen, damit Ihre Erwartungen auf dem Teppich bleiben.

Nehmen wir an, Sie haben einen Coach erwischt, der kein Blatt vor den Mund nimmt, direkt, schnell und mutig ist - andere gibt es bei uns ja nicht :) -, nun, auch dieser Coach hat genau so viel Zeit, um der Zusammenarbeit im Team irgendeinen Mehrwert zu bringen. In dieser Zeit muss er Vertrauen aufbauen, dafür sorgen, dass Sie bereit sind, Feedback anzunehmen, eine Metapher pflanzen und einen halben Satz aussprechen lassen, an den Sie sich _alle_ erinnern werden. Und wenn er diesen Satz drei Monate später aus jemandes Mund wieder hört, weiß er, dass er erfolgreich war. Nur er wird es natürlich wissen, aber das Leben muss ja nicht jeden Beruf gleich gerecht behandeln. Dafür dürfen wir jeden Tag mit anderen Menschen arbeiten, sehen Sie, auch das ist gar kein schlechter Deal. 

Über Gruppendynamik haben wir schon oft geschrieben, zuletzt wohl hier. Wenn Sie mich fragen, sollte man die Qualität der Arbeit einer Führungskraft _nur_ an diesem einen Kennwert messen. Eine andere Frage ist natürlich, dass er nicht gerade ein idealer Kennwert ist, da er sich nicht messen lässt. Oder nicht gut.

Und unsere Arbeit in der Führungskräfteentwicklung daran, ob wir den Führungskräften beibringen können, wie man mit einem Team umgeht. Hier gehen wir übrigens alle schnell baden, vor allem weil sich die Kombinatorik in den letzten drei Absätzen nicht groß verändert hat. Wenn Sie nämlich mit einer Führungskraft zusammen mit elf anderen zweihundertzwanzig Minuten lang in der Gruppe arbeiten müssen, dann ist genau die entsprechende Anzahl an AHA-Erlebnissen zu erwarten.

Denn Entwicklung ist immer Einzelarbeit.

Auch wenn Sie gerade nur wenige sind, auch wenn wir gerade mit hundert Menschen zusammenarbeiten. Es läuft parallele, individuelle Entwicklung, und zwar über genau die Beziehungen, die wir oben durchgerechnet haben. Wenn es gelingt, die richtigen Zugpferde in den Teams gut einzuschätzen (und dafür entwickelt sich die Intuition übrigens in brutalem Tempo: Zehn Minuten, nachdem man den Raum betreten hat, lässt sich ablesen, wer das Team nach unten zieht und wer nach oben. Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Wer nach oben zieht, ist nicht immer der Nützlichste, oft entsteht das eigentliche Lernen aus der Reaktion der Person, die die Dynamik nach unten zieht - für das ganze Team.) und sie in Bewegung zu bringen, dann ziehen auch die anderen nach.

Aber Raum und Zeit sind endlich. Wenn die Führungskraft des jeweiligen Teams nicht ihre 220 Arbeitstage im Jahr in die Sache steckt, dann sind die paar Stunden, die das Team mit einem externen Coach verbringt, herzlich überflüssig.

Wenn Sie also, ob als Führungskraft oder im HR, ohnehin nonstop Budgets kürzen, dann streichen Sie auch die Teamentwicklungsinitiativen, bei denen Sie Entwicklung von außen einkaufen, ohne dass die jeweilige Führungskraft irgendeine Zeit für ihr Team aufbringen könnte oder wollte, in der Hoffnung, dass es danach vielleicht besser läuft. Wird es nicht.

Vielleicht sieht das Team danach klarer, dass es nicht gut läuft. Aber als Entwicklung lässt sich das nur schwer verkaufen :)

Wenn das Thema bei Ihnen gerade aktuell ist

Teamcoaching

Ein Team, das nicht nur nebeneinander arbeitet, sondern zusammen.

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