Die Fallstricke des organischen Organisationswachstums.

Unter Start-ups gibt es die Mode, sich einfach wachsen zu lassen. Manche tun es unbewusst, manche ganz bewusst, aber viele entscheiden sich bei ihrem Unternehmen für organisches Organisationswachstum.

Nicht nur Start-ups - meldet sich beim Lesen gleich die erste Stimme in Ihrem Kopf. Stimmt, nicht nur Start-ups. Der Unterschied ist aber: Organisches Organisationswachstum - nennen wir das Modell der Einfachheit halber PILZ :) - kann ein erfolgreiches Start-up wunderbar zum Krachen bringen, ein KMU dagegen nicht.

Der Grund ist ganz einfach: Wenn das Start-up erfolgreich ist, wächst es in einem Tempo, bei dem der PILZ in einem Jahr so groß wird wie bei einem normal wachsenden Kleinunternehmen in dreißig Jahren.

Das KMU hat also dreißig Jahre Zeit zu merken, dass da vielleicht nicht der Pilz gewachsen ist, in dem es sich wohlfühlt. Es wird die Organisation in Ruhe neu denken und rechtzeitig eingreifen. Oder spät, aber nicht zu spät.

Beim Start-up ist das anders.

Und das heißt: Es müsste nicht mit weniger, sondern mit viel MEHR organisatorischem Bewusstsein an die eigene Organisation herangehen als alle anderen. Der Trend ist aber (und nein, nicht nur auf dem ungarischen Markt, schauen Sie sich ruhig in der Welt um, es gibt Fallstudien wie Sterne am Himmel), dass das Allerallerletzte, worum sich Start-ups kümmern, die Frage ist, welche Organisation sie hochziehen, um ihr Geschäftsmodell zu stützen.

Wenn Sie sich je mit Entscheidungspsychologie beschäftigt haben (wir bieten darauf aufbauend Sales-Trainings an, die sind sooo gut. Es gibt übrigens keine Position, in der Ihnen Wissen über Entscheidungspsychologie nicht nützen würde), ist Ihnen wahrscheinlich schon das Forschungsergebnis begegnet, dass ein positives, optimistisches Zukunftsbild die objektive Wahrnehmung der Gegenwart verzerrt. 

Also noch einmal. Ein positives, optimistisches Zukunftsbild verzerrt die objektive Wahrnehmung der Gegenwart. Ein Start-up ohne positives, optimistisches Zukunftsbild zum Erfolg zu führen, ist aber mehr als mühsam. Fast unmöglich. Wenn Sie also ein gut laufendes Start-up führen, mit dem Sie nach der Weltherrschaft greifen - völlig zu Recht -, dann schätzen Sie die Gegenwart womöglich nicht so ein, wie sie wirklich ist.

Deshalb finden Sie Folgendes, wenn Sie die Start-ups am Beginn ihrer Reifephase mit dem Scheinwerfer absuchen.

Die drei dienstältesten Gesichter im System wissen genau, was sie tun und warum. Sie kennen das Wachstumstempo, die Strategie, die logische Reihenfolge der Länder, die Schlange stehen (so viele Piiilze), einfach alles. Haargenau, selbst wenn man sie einzeln verhört, passt alles zusammen. Natürlich, denn wäre es anders, wäre einer von ihnen längst vor dem Ledersessel der Investoren verblutet.

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In einem Punkt entsteht aber typischerweise nicht einmal in Spuren eine gemeinsame Position. Und zwar in der Frage, welche Organisation wir hinter unserem seit Jahren perfektionierten, weggeworfenen, neu aufgebauten, wieder perfektionierten Geschäftsmodell hochziehen.

Wenn Sie CEO sind, müssen Sie gar nichts tun. Bitten Sie einfach diese drei Bosse, oder das sechsköpfige Board, oder wo auch immer Sie gerade stehen, jeweils ein weißes A4-Blatt zu nehmen und die Organisation aufzuzeichnen. Wer wem berichtet, wer wofür und für wen verantwortlich ist. 

Skizzieren Sie auch Ihre eigene Version, und dann können Sie in die Küche gehen und Popcorn machen oder Sushi zum Mittagessen bestellen. Sie werden in diesen Zeichnungen so viele Fragezeichen, Ausrufezeichen, Streitpunkte und Ungereimtheiten finden, dass Sie tagelang daran arbeiten könnten. 

Und dabei haben Sie bis dahin nur versucht, die aktuelle Lage zu erfassen, also, was für ein Pilz da eigentlich aus Ihnen gewachsen ist.

Wie das dazu passt,

- mit welchem b2b- oder b2c-Modell (sagen wir lieber b2p, seien wir trendy) Sie in welchem Land arbeiten werden,

- welche Ihrer Führungskräfte welche Skills hat und wofür sie geeignet ist und wofür nicht

- wie der jeweilige Pilz im jeweiligen Land zur dortigen Arbeitskultur passt

- wie gut Ihre Prozesse auf Ihre Organisation abgestimmt sind und wie viele überflüssige Schleifen Sie schon in drei Jahren angehäuft haben

- ob der Pilz geeignet sein wird, die Finanzierungsrunde im nächsten März zu bekommen, dann die im November, dann die... 

- usw.

das wissen wir noch nicht.

Na, darüber sollte man nachdenken. Und nein, nicht darüber, den Pilz plattzumachen oder kopflos alles neu zu verdrahten.

Ich habe Ihnen gerade einen ganzen Haufen Teamcoaching erspart, sehen Sie. Ob man es nun zusammen- oder getrennt schreibt.

 

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