Wenn man den Forschenden aus Stanford glauben darf, sagt diese eine Zahl mehr darüber aus, wie viele Tage Sie von zu Hause arbeiten werden, als alles andere im Unternehmen.
Nicholas Bloom - ja, der Rockstar der Homeoffice-Forschung - und sein Team haben dieses Jahr ihre neueste Studie rausgehauen (Younger Firms and CEOs Allow More Work from Home, NBER Working Paper, Februar 2026) und darin drei Dinge festgestellt, bei denen Ihnen der Morgenkaffee im Hals stecken bleibt. Auch der zweite.
Eins: In Unternehmen, die nach 2015 gegründet wurden, arbeiten die Beschäftigten fast doppelt so viel von zu Hause wie in Unternehmen, die vor 1990 gegründet wurden. Nicht 10 % mehr. Doppelt so viel.
Zwei: Ist der CEO unter 30, arbeiten die Leute im Schnitt 1,4 Tage pro Woche von zu Hause. Ist der CEO über 60? 1,1 Tage pro Woche.
Ähm, das sind 0,3 Tage Unterschied pro Woche, sagen Sie, klingt jetzt nicht dramatisch. Okay, rechnen wir mal.
0,3 Tage pro Woche sind rund 15 Arbeitstage im Jahr. In zehn Jahren sind das 150 Arbeitstage - also mehr als ein halbes Jahr!!!, das Sie im Büro verbringen, weil Ihr Chef älter ist. Tja. So betrachtet ist das schon spannend.
(Übrigens verbringen Beschäftigte in Firmen mit einem CEO unter 30 rund 73 Tage im Jahr im Homeoffice, in Firmen mit einem CEO über 60 rund 57. Spüren Sie den Unterschied.)
Drei: Selbstständige verbringen mehr als doppelt so viel Zeit im Homeoffice wie Angestellte. Darauf wäre jetzt wirklich niemand gekommen, oder? Ja, ich habe heute auch schon die Waschmaschine angeworfen und die Spülmaschine eingeräumt, und beides hätte ich nicht gekonnt, wenn ich im Stau stünde. Beziehungsweise würde ich den Stau ja technisch gesehen mitverursachen, also übernehmen wir als Selbstständige auch dafür die Verantwortung!!
Aber warum? Nicht, weil Start-up. Nicht, weil IT.
Die bequeme Antwort wäre, dass junge Firmen Tech-Start-ups sind, klar arbeiten die remote. Nur haben die Forschenden genau das herausgerechnet. Es geht nicht um die Branche. Nicht um die Tätigkeit.
Es geht um die Haltung der Führung.
Ältere Führungskräfte wurden in einer Welt sozialisiert, in der Arbeit = körperlich anwesend sein. Wenn ich dich nicht sehe, kannst du nicht arbeiten. Sie hatten weder die Werkzeuge noch die Möglichkeiten für etwas anderes. Das ist kein Ageismus, das ist berufliche Sozialisation. So viel macht sie aus. (Übrigens in allem: Ich bleibe dabei, dass es für eine Karriere KEINE wichtigere Entscheidung gibt als die, wie Ihr erster richtiger Arbeitsplatz aussieht. Dort liegt der Mittelpunkt Ihres Inertialsystems. Für immer :) )
Jüngere Führungskräfte haben deutlich früher in ihrer Karriere gesehen, dass die Welt während COVID nicht untergegangen ist. Sie haben ohnehin auf einem Arbeitsmarkt angefangen zu führen, auf dem man sofort einen Laptop bekam. Und ein Blackberry - meine Güte, ich musste nachschauen, ob die wirklich so hießen :)) Sie haben also am eigenen Leib erfahren, dass man von überall arbeiten kann. Sie selbst haben von Minute null ihrer Karriere an von überall gearbeitet.
Und fügen Sie im Stillen noch hinzu, was wohl - allen Schlagzeilen zum Trotz - aus dem Homeoffice wird, WENN wir schon jetzt sehen, dass man umso mehr von zu Hause arbeiten darf, je jünger das Unternehmen ist.
Im Stau stehen eh schon genug von Ihnen. :)