In einer Organisation, in der Versuchung keine Option ist, in der es kein „Ich hatte halt Lust zu landen“ gibt und kein „Aber Chef, wir waren so nah dran, wir mussten es einfach versuchen“. Und trotzdem vertraute man der menschlichen Natur nicht so weit, dass man riskierte, dass sich die drei womöglich gegen das Protokoll entscheiden, einfach nur, weil sie es können.
Hätten sie es tun wollen?
Ganz sicher.
Hätten sie es getan?
Das werden wir nie erfahren. Denn sie bekamen nicht das Vertrauen, wirklich selbst darüber entscheiden zu dürfen - ohne ihr Leben tödlich aufs Spiel zu setzen.
An diesem Punkt geraten viele Leadership-Trainer und Coaches ins Wanken, und hoffentlich auch immer mehr Führungskräfte. Denn von der transformationalen Führung bis zur Theorie der dienenden Führung setzt fast jedes Modell beim Vertrauen an.
Wir nutzen dafür regelmäßig Lencionis Pyramide, weil sie so einfach und logisch ist. Das Buch „The Five Dysfunctions of a Team“ sagt: Vertrauen ist das Fundament, auf dem man aufbauen kann. Wenn die Führungskraft ein hohes Maß an Vertrauen aufbaut, trauen sich die Teammitglieder, Konflikte auszutragen und sich zu konfrontieren, denn dank des hohen Vertrauens fürchten sie nicht, persönlich verurteilt zu werden. Wenn man Konflikte offen austragen kann, entsteht in fast jeder Situation eine optimale Lösung, die für alle Beteiligten akzeptabel ist. Damit wächst das Commitment für die Lösung, und die „Ich hab doch gleich gesagt, dass das nicht klappt“-Haltung wird seltener.
Alle sind daran interessiert, die Lösung zum Erfolg zu führen.
Wenn es einen gemeinsamen Konsens gibt, nehmen wir uns gegenseitig in die Verantwortung, denn wir setzen keine aufgezwungenen Lösungen um, sondern etwas, an das wir gemeinsam glauben. Der Chef muss uns also nicht an die übernommene Verantwortung, an Deadlines oder sonst etwas erinnern, weil wir uns gegenseitig in die Pflicht nehmen.
Und wenn wir gemeinsam an den Weg glauben, bremsen Trittbrettfahrer, Blockierer und Saboteure die Leistung des Teams nicht aus, und letztlich garantiert das einen Teamerfolg, der über individuelle Erfolge hinausgeht.
Bei Apollo 10 ist es ausgeschlossen, dass die Mitglieder des engsten Teams nicht im Gleichtakt geatmet hätten, schließlich haben sie einander im wörtlichen Sinne ihr Leben anvertraut. Ihre Konflikte mussten sie in den tausend Tests ausgefochten haben, und nur die Lösung durfte in die echte Mission, bei der sich der Sicherheitstechniker, der Astronaut und sogar der Ernährungsberater einig waren. Alle glaubten daran, dass die maximale Aufgabe von Apollo 10 genau darin bestehen konnte und musste, sich dem Mond bis auf 15,6 km zu nähern.
Und trotzdem bekamen die drei Astronauten nicht das Vertrauen, sich von der Landung in Versuchung führen lassen zu dürfen. So viel Vertrauen in die menschliche Natur gab es dann doch nicht.