Zum Jahresende und zum neuen Jahr ziehen wir Bilanz, fassen Beschlüsse, nehmen uns etwas vor, sind zuversichtlich. Im besten Fall setzen wir uns sogar hin, holen neben unseren Vorsätzen ein Blatt Papier oder eine Excel-Tabelle hervor und fangen an, Ideen zu sammeln und zu planen. Was soll ich tun? Wie soll ich es tun? Egal, ob das Ziel 10 kg weniger, eine neue Ehefrau, eine neue Wohnung, ein anderes Auto, ein besserer Job oder eine glänzendere Position ist.

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Wir planen und planen, und dann werfen wir, je nach Temperament mal schneller, mal langsamer, das Papier, die Tabelle, was auch immer, in die Ecke und stürzen uns zurück in den Alltagstrubel. Je weiter das Jahr voranschreitet, desto verschwommener wird der Plan von Tag zu Tag, bis er schließlich in den Tiefen des Ordners „Sonstiges“ verschwindet und nie wieder auftaucht. Bis zum nächsten Neujahr, an dem wir mit neuen Vorsätzen, neuen Plänen und neuem tiefem Luftholen wieder anfangen können, die Welt zu retten.

Und wenn wir merken, dass unsere perfekten Pläne schon das siebte Jahr in Folge spurlos verschwinden, geben wir auf. Dann kommen die Irrglauben, dass Planen, ja sogar die dazugehörigen Neujahrsvorsätze keinen Sinn hätten, weil sie ja sowieso niemand einhalten kann.

Nur ist das leider eine glatte Lüge. Ein Plan wird nicht dadurch schlecht, dass man ihn nicht umsetzen kann.

Entgegen der landläufigen Meinung ist ein Plan nicht dazu da, umgesetzt zu werden. Ein Plan ist dazu da, dass man etwas hat, das man ändern kann.

Ja, Pläne muss man nicht umsetzen. Man kann, aber man muss nicht. Das Wesentliche, das Schöne, die Würze am Planen ist, dass es keinen garantiert richtigen Plan gibt. Keinen endgültigen Plan. Keinen perfekten Plan.
Es gibt nur den Plan, der im jeweiligen Moment, aus dem jeweiligen Blickwinkel der beste ist. Und den aufzustellen ist, vor allem wenn wir für uns selbst planen, unsere verdammte Pflicht. Für uns. Auch wenn wir ihn später nie wieder hervorholen.

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Wenn Sie sich am 2. Januar hinsetzen und ehrlich durchdenken, was Sie dieses Jahr zum Beispiel im Job erreichen wollen, dann bin ich sicher, dass Sie den besten Plan zusammenstellen werden. Genau bis zum nächsten Vormittag, an dem sich herausstellt, dass Ihre gesamte Abteilung in zwanzig Tagen nach Malaysia verlagert wird.

Und Ihr schön aufgebauter Karriereplan fällt zusammen wie ein Kartenhaus.

Es war also überflüssig zu planen? Aber nein. Je mehr wir planen, desto öfter und aus desto mehr Blickwinkeln beleuchten wir eine Situation. Desto sicherer und genauer können wir einschätzen, welche Alternativen wir in der jeweiligen Lage haben, in welcher Reihenfolge unsere Aufgaben aufeinander folgen, was heute der beste Plan ist, um unser Ziel zu erreichen. Wir werden also immer schneller immer bessere Entscheidungen treffen können.

Denn Planen zwingt uns, uns selbst zu durchleuchten, unseren Karriereweg, unsere Ehe, unseren Lebensstil, alles, was wir verändern wollen. Wenn wir alles durchdenken, uns durchbeißen und dann einen scheinbar perfekten Plan aufstellen, halten wir natürlich trotzdem keinen perfekten Plan in der Hand.

Denn den perfekten Plan gibt es nicht.

Aber von Plan zu Plan werden wir realistischer, wir sehen unsere Ziele klarer, wir können die Qualität der Wege, die dorthin führen, genauer einschätzen. Und wenn wir vor einer Entscheidung stehen, entscheiden wir schneller und besser. Das ist das Ziel, nicht, den Plan umzusetzen.

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Ich gehe noch weiter: Wenn Sie Ihren Plan vom 2. Januar bis zum 31. Dezember eins zu eins umsetzen können, dann war Ihr Plan nicht gut. Denn Sie haben die Latte nicht hoch genug gelegt.

Einen Plan kann man auf zwei Arten vermasseln:

1. Wenn er eindeutig unrealistisch ist.
2. Wenn er eindeutig realistisch ist.

Um realistische Ergebnisse zu erreichen, müssen wir zuerst lernen, unrealistisch zu planen - das fällt meist leicht, Fachliteratur gibt es dazu reichlich. Fünf Kilo weniger in fünf Tagen, Wie werde ich bis Jahresende Milliardär und Konsorten. Wenn wir unrealistisch planen können, müssen wir lernen, realistisch zu planen. Das ist schon schwieriger, denn dafür braucht es eine ordentliche Portion Selbsterkenntnis, um einzuschätzen, welcher Plan mit unserem aktuellen Durchhaltevermögen, in unserer Situation, mit unseren Fähigkeiten wirklich realistisch ist.

Und wenn auch das sitzt, müssen wir lernen und erfahren, wo das obere Ende der realistischen Pläne liegt.

Wo jener kleine Grenzbereich liegt, der schon auf der Nadelspitze zwischen Realität und Irrealität balanciert. Genau dort entsteht der gute Plan.
Und es macht nichts, wenn unser Plan manchmal von der Nadelspitze purzelt und ein, zwei Dinge daraus nicht geklappt haben. Wir planen ja nicht das letzte Jahr unseres Lebens.

Wenn kein unrealistisches Detail darin steckt, hat er nicht genug gewackelt.

Dann können wir die Latte noch höher legen. Wenn wir sie so hoch gelegt haben, wie wir nur konnten, und drübergesprungen sind, haben wir gewonnen. Dann darf es höher gehen, die nächsten Versuche können kommen. Wenn wir sie reißen, stehen wir keinen Schritt schlechter da, als wenn wir sie gar nicht erst aufgelegt hätten.

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Sollen wir also planen? Ja. Immer, alles. Alles, dessen Umsetzung deutlich mehr Zeit kostet als die Planung. Üben wir, so oft wir nur können. Nur dürfen wir nicht glauben, dass wir fertig sind. Ein Plan kann nie fertig sein. Höchstens überholt, weil wir ihn schon umgesetzt haben oder weil das Zeitfenster vorbei ist, in dem er sich hätte umsetzen lassen. Und wenn wir mit dem, was wir geplant haben, schon fertig sind, ist es völlig egal, wie der Plan war. Ändern können wir daran nichts mehr. Wer den Konjunktiv der Vergangenheit erfunden hat, war ein Narr, so viel steht fest.

Fakt ist: Kaum etwas auf der Welt hat ein traurigeres Schicksal als Pläne. Denn jeder Plan landet im Müll. Der gute wie der schlechte.

Aber ohne Plan ins Blaue hineinrennen? Das ist Luxus. Ein Luxus, dessen direkte Folge das Hamsterrad ist, die Abstumpfung, die Langeweile, dieses Gefühl, das wir gern sofort als Burnout definieren. Egal, wie wir es nennen: Ohne Pläne werden wir uns nicht wohlfühlen, so viel steht fest. Wenn wir nicht planen, haben wir nichts, woran wir uns messen können, wir gehen im Alltag unter und blättern unseren Kalender in einem Tempo weiter, dass wir nicht einmal Zeit haben, ihn zu füllen.

Aber es hat doch keinen Sinn, Pläne zu basteln, Sie haben ja selbst gesagt, dass sofort alles umkippen kann, und eine ganze Menge Faktoren kenne ich überhaupt nicht.

Klar, nur geht es eben nicht darum, Pläne zu produzieren, ich habe ja gerade bewiesen, dass die sowieso im Müll landen. Wir lernen nicht aus dem Plan, sondern aus dem Planen, dadurch können wir bewusster und selbstsicherer in eine Richtung gehen. Dadurch können wir sofort entscheiden, wie wir auf die äußeren Umstände reagieren müssen, die wir nicht kennen.

Denn wir können die besten Planer der Welt sein, ein Nostradamus wird trotzdem nicht aus uns. Was wir aber erreichen können: so gut zu planen, dass es irgendwann ganz spontan geht. Wir können so besonnen, bewusst, vorausschauend und selbstsicher werden, dass wir spontan tun können, wofür wir ein paar Jahre vorher noch einen Plan gebraucht hätten. Aber dafür muss man üben, viel.

Denn Planen ist keine Aufgabe und auch kein Beruf, sondern eine Sichtweise. Man kann sie nicht aus Büchern lernen, man kann sie nicht unterrichten. Techniken abschauen, das geht. Aber dadurch wird die Sichtweise noch nicht zu unserer eigenen, dafür müssen wir uns selbst verändern, und das heißt wieder: üben, ausprobieren, Millionen erfolgreicher und gescheiterter Pläne.

Schon um zu entscheiden, ob ein Plan überhaupt gut war, nachdem wir ihn umgesetzt haben, braucht es eine enorme Routine. Aber er ist doch erledigt, ich habe es geschafft, natürlich war er gut, oder? Nein. Nur weil wir ihn umsetzen konnten, heißt das noch lange nicht, dass wir unsere Grenzen gefunden haben. Vielleicht haben wir die Latte zu niedrig gelegt, und dann springen wir natürlich drüber.

Dafür müssen wir im Gegenzug, weil unser Plan nie perfekt sein kann, auch keine Angst haben, ihn zu vermasseln. Denn auch ein katastrophal schlechter Plan ist wesentlich besser als ein nicht existierender. Auch in einen schlechten Plan muss man Energie stecken, man muss die Scheuklappen der täglichen Routine abnehmen und sich umschauen. Und damit sind wir schon einen Schritt weiter.


Planen wir so genau, wie wir nur können, feilen wir laufend an unseren Plänen, und wenn alles umkippt, passen wir uns an und planen neu. Ermüdend? Langweilig? Sie sind doch kein altes Navi, das immer nur sagt: Route wird neu berechnet, Route wird neu berechnet, Route wird neu berechnet?

Doch, das sind Sie. Das sind wir alle.

Wer uns schon länger liest, weiß genau, dass die meisten Bilder von Sarolta Bán stammen, die ganz Treuen erkennen sogar schon, welche. Wenn ich mir vom Christkind etwas wünschen dürfte, würde ich mir mindestens 8 ihrer Fotos aussuchen. Aber auch die anderen sind gut, von https://www.artlimited.net.

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